Unionspolitiker hält Bündnis mit AfD für denkbar. CDU-Abgeordneter Willsch: "Wir müssen für künftige Koalitionen nüchtern darauf blicken, mit wem wir die größten Schnittmengen haben“ / „Da sehe ich die größten Schnittmengen mit der AfD“ / CSU-Politiker Nüsslein: "Man sollte die AfD nicht einfach in die rechtspopulistische Ecke drängen."
Nach dem Erfolg der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) bei der Europawahl steht die Union vor einer Grundsatzdebatte über den Umgang mit den Rechtspopulisten. Erste Unionspolitiker halten sogar eine Koalition mit der Partei für denkbar.
"Die FDP ist verschwunden, wir müssen uns auf neue strategische Verhältnisse einstellen", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch SPIEGEL ONLINE. "Wir müssen für künftige Koalitionen nüchtern darauf blicken, mit wem wir die größten Schnittmengen haben: mit der SPD, mit den Grünen oder mit der AfD? Da sehe ich die größten Schnittmengen mit der AfD." Als Beispiel führte Willsch die Europapolitik an: "Wir sind beide für eine unabhängige Zentralbank und die soziale Marktwirtschaft."
Aus der CSU kommt die Aufforderung an die Schwesterpartei, den Kampf mit den Rechtspopulisten ernster zu führen. "Die Union insgesamt hat rechts eine offene Flanke, die die CSU allein nicht mehr schließen kann", sagt der Stellvertretende Chef der Unions-Bundestagsfraktion, Georg Nüsslein (CSU). Die Christsozialen würden durch die Freien Wähler und die AfD zu stark bedrängt. "Man sollte die AfD nicht einfach in die rechtspopulistische Ecke drängen", sagt er. "Es kann durchaus sein, dass sie die FDP dauerhaft ersetzt."



