Wahlbetrug? "Zeit"-Chefredakteur bedauert doppelte Stimmabgabe bei Europawahl. "Mir tut das aufrichtig leid." Staatsanwaltschaft Hamburg leitet Verfahren ein.
Der Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", Giovanni di Lorenzo, bedauert seine doppelte Stimmabgabe bei der Europawahl am Sonntag. "Mir war nicht bewusst, dass man bei der Europawahl nicht in zwei Ländern abstimmen darf", sagte di Lorenzo der "Bild-Zeitung".
"Hätte ich es gewusst, hätte ich es nicht getan und natürlich auch nicht in der Sendung von Günther Jauch erzählt." Der "Zeit"-Chefredakteur hatte Sonntagabend in der ARD-Talkshow erklärt, er habe bei der Europawahl als Inhaber der deutschen und der italienischen Staatsbürgerschaft zwei Wahlberechtigungen erhalten und sein Wahlrecht zweifach ausgeübt und war noch während der Sendung auf die Strafbarkeit seines Verhaltens hingewiesen worden. Zu dem Vorgang sagte di Lorenzo jetzt zu "Bild": "Mir tut das aufrichtig leid."
Staatsanwaltschaft Hamburg leitet Verfahren gegen „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ein
Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo wegen des Verdachts auf Wahlfälschung eingeleitet. „Es gibt eine Strafanzeige gegen Herrn di Lorenzo, und wir haben ein Verfahren eingeleitet“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, der „Welt“. Di Lorenzo hatte am Sonntag in der ARD-Sendung „Günther Jauch“ zugegeben, dass er bei der Europawahl zwei Mal gewählt hat. Zunächst am Samstag im italienischen Konsulat in Hamburg, weil di Lorenzo auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt. Dann ein zweites Mal am Sonntag in einer Hamburger Grundschule.
Nach dem Europawahlgesetz dürfen Doppelstaatler nur in einem Land der EU ihre Stimme abgegeben. Da somit di Lorenzos zweite Stimmabgabe in der Hamburger Grundschule unbefugt gewesen sein dürfte, könnte er unter den Strafrechtsparagrafen 107a fallen. Laut diesem wird „mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer unbefugt wählt“.



