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Unis gegen Mindestlohn

Mindestlohn für Praktikanten alarmiert Hochschulrektoren-Konferenz – Experten messen Praktika hohe Bedeutung für Berufsorientierung bei

 

Experten befürchten, dass Studenten wertvolle Orientierungs- und Praxiserfahrung für den Berufseinstieg verloren gehen könnte, wenn Unternehmen als Folge des Mindestlohns für Praktikanten ihr Angebot an Praktika zurückfahren. Wirtschaftsvertreter hatten angekündigt, dass viele Praktika für die Unternehmen zu teuer und nicht mehr angeboten würden – das Praktikum sei „tot“. Das hat nun sogar die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) auf den Plan gerufen: Auf der kommenden Präsidiumssitzung des Zusammenschlusses der staatlichen und staatlich anerkannten Universitäten und Hochschulen in Deutschland am 23. Juni soll der Mindestlohn für Praktikanten Thema werden, sagte ein Sprecher der „Welt“. „Dass freiwillige Praktika seltener angeboten könnten, wird von uns als Problem eingeschätzt“, heißt es bei der HRK. Auf der Sitzung solle erörtert werden, wie die Hochschulen ihre geisteswissenschaftlichen Studiengänge so konzipieren können, dass mehr Praktika integriert werden.

 

Diese Studiengänge schreiben die Einblicke in die Praxis oftmals nicht vor, anders als etwa in Studienrichtungen mit technischer Orientierung. In dem Gesetzesentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sollen freiwillige Praktika, die länger als sechs Wochen dauern, mit mindestens 8,50 Euro die Stunde vergütet werden. Praktika, die offiziell Teil einer Ausbildung oder eines Studiums sind, unterliegen dieser Regelung dem Gesetzentwurf zufolge allerdings nicht. Würden Praktika verstärkt in den Studienordnungen vorgeschrieben, könnte die Mindestvergütung für diese Praktika umgangen werden.

 

Bildungsexperten messen freiwilligen Praktika eine hohe Bedeutung bei der Berufsorientierung und Praxiserfahrung zu. Kolja Briedis vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, der im Auftrag des Hochschulinformationsdienstes eine der umfassendsten Studien zur Generation Praktikum verfasst hat, sieht sie als positiv: "Der großen Mehrzahl der Befragten haben Praktika etwas gebracht", sagt Briedis.

 

Die von Nahles vorgesehenen sechs Wochen, ab denen das Lernverhältnis zum Arbeitsverhältnis werden soll, schätzt er als „knapp bemessen“ ein, um sich in oftmals komplexe Aufgaben einzuarbeiten. „Freiwillige Praktika haben meist vielfältigen Nutzen für beide Seiten“, so Briedis. Allerdings gehörten die Praktika „ins Studium rein“, so der Experte. Sie sollten dort verankert werden. So würden gerade Studenten der Geistes-und Sozialwissenschaften über Praktika früher und öfter die für den Berufseinstieg nötigen Einblicke in die Praxis bekommen, auch als „gezielter Türöffner“. „Ein Praktikum kann ein strategisches Element zur Karriereplanung sein“, sagt Briedis. Es sei sinnvoll, dass Praktika auch bei Geistes- und Sozialwissenschaften als Teil der Studienordnung öfters zur Pflicht würden. Die Vorgaben dürften aber nicht „zu eng“ formuliert sein, damit die Studenten auch über den Tellerrand blicken könnten.

 

Axel Plünnecke, Bildungsexperte am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW), ist ebenfalls der Meinung, dass längere freiwillige Praktika „gerade für arbeitsmarktferne Studiengänge sehr wichtig“ seien. Geistes- und sozialwissenschaftliche Studiengänge praxisnäher zu konzipieren, hält er allerdings für unrealistisch und auch nicht wünschenswert. „Die Pflichtpraktika müssten auf das Studienprogramm angerechnet werden, dann gäbe es weniger Stoff für den Rest“; bemängelt Plünnecke. Zudem müsse es auch weiterhin Studiengänge geben, die auf die wissenschaftliche Forschung vorbereiteten und vorwiegend theoretischer und abstrakter Natur seien. „Es können doch nicht alle Universitäten wie Fachhochschulen sein“, so der Bildungsexperte.

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