Parteienforscher: AfD könnte zur großen Konkurrenz für die Union werden. Wenn dies so komme, dann sollte die CDU die AfD nicht weiter ignorieren, sondern sich mit ihr argumentativ auseinandersetzen.
Der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst wies darauf hin, dass sich die CDU unter ihrer Bundesvorsitzenden Angela Merkel seit der Großen Koalition von 2005 in vielen Punkten stärker in Richtung Mitte bewegt habe und dadurch „weniger Anziehungskraft für rechtskonservative Wähler“ ausstrahle. „Es stimmt jedenfalls, dass ein Teil der rechtskonservativen Wähler, die früher in der Union Ansprechpartner hatten, sich inzwischen heimatlos fühlen und nach Alternativen suchen“, sagte Probst Handelsblatt Online. Dadurch drohe der CDU durch eine Partei wie der AfD, die deutlich rechts von ihr steht, zukünftig mehr Konkurrenz. „Jedenfalls wenn es dieser Partei gelingt, seriös bürgerlich zu bleiben und nicht in die rechte Schmuddelecke abzugleiten“, fügte der Experte hinzu.
Auch der Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter konstatiert, „dass die Union diesen unspezifisch vi! elfältigen Gefühlskonservatismus nicht mehr gänzlich zu binden vermag“. Dadurch gebe es erstmals wieder seit langer Zeit eine „durchaus nicht schmuddelige Partei rechts von der Union, wenn sie denn nicht verglüht wie die Piraten“, sagte Oberreuter Handelsblatt Online. „Mit ihr nicht reden zu wollen, ist politisch pubertär.“ Oberreuter zeigte sich überzeugt, dass die Union auf die AfD zugehen und auch mit ihr kooperieren werde, wenn politische Konstellationen es nahelegten. „Aber sie wird sich nicht ewig mit der Kanzlerschaft Merkels als einzigem wesentlichen und originellen politischen Programmsatz bescheiden können.“ Eine offene Frage ist hingegen aus Oberreuters Sicht, ob die Zukunft im „Konservativen“ liege. „Eher liegt sie im Realitätssinn. Oder ist zum Beispiel energie- oder rentenpolitische oder auch europapolitische Vernunft per se konservativ?“



