Lehm ist nicht nur der älteste, sondern zugleich auch der modernste Baustoff. Lehm bietet ökonomische, ökologische, bauphysikalische und medizinische (gesundheitliche) sowie ästhetische Vorteile.
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Von Norbert Knobloch
Natürlicher Baustoff
Lehm gehört neben Holz zu den ältesten Baustoffen der Menschheit. Es gibt heute noch überall auf der Welt, vor allem aber in Deutschland intakte und bewohnte (Fachwerk-) Häuser, die vor Jahrhunderten aus Lehm erbaut wurden. Und wegen seiner vielen Vorteile und positiven Eigenschaften feiert dieser klassische Baustoff heute sein „Comeback“.
Lehm ist ein natürliches Material – gesundheitlich unbedenklich, anti-allergen, wieder verwendbar sowie leicht und einfach zu verarbeiten. Bei seiner Herstellung und Verarbeitung wird sehr wenig Energie benötigt und fällt fast kein Abfall an. Das natürliche Material ist für „Do-It-Yourself“ (Eigenbau) hervorragend geeignet und lädt zu künstlerischer Betätigung und kreativer Gestaltung ein. Mit ein wenig angelesener Theorie und etwas praktischer Übung oder unter sachkundiger Anleitung können viele Arbeiten selber ausgeführt werden.
Lehm ist ein durch Verwitterung von eisenhaltigem Ton und Quarz entstandenes, durch Brauneisen gefärbtes, schmierig-klebriges Gemenge aus Tonerde-Silikat (Aluminiumoxyd / Al2O3 und Salze der Kieselsäure) und Quarz-Sand (chemisch Kieselsäure-Anhydrid / Siliziumdioxid / SiO2), aus dem auch Ziegel gebrannt werden können. Der Ton wirkt dabei als Bindemittel. Je nach Fundort weist Lehm unterschiedliche Eigenschaften auf. Enthält Lehm zu viel Ton, so ist er zu „fett“ und bekommt beim Trocknen Risse. Enthält Lehm hingegen zu viel Sand, so ist er zu „mager“ und wird beim Trocknen bröckelig.
Durch die Verdunstung des Wassers härtet Lehm aus und verliert etwas an Volumen. Wird Wasser wieder hinzugefügt, wird Lehm wieder weich und kann erneut verarbeitet werden. So lassen sich kleinere Schäden an Mauerwerken aus Lehm problemlos auch in Eigenleistung reparieren. Wegen seiner Wasser-Löslichkeit wird Lehm in unseren Breiten heute allerdings eher im Innenbereich verwendet. Wird er im Außenbereich eingesetzt, muß er durch geeigneten Verputz gegen nasse Witterung (Regen) geschützt werden.
Lehm bietet eine Vielfalt an Einsatz-Möglichkeiten: als Schüttung in Zwischenböden, als Mörtel oder Putzmischung, zu Quadern oder Platten geformt und als massive Wand-Konstruktion. Kombiniert mit anderen Materialien wie Schilf- oder Strohhäcksel, Holzspänen oder Hanffasern und auch Kalk entstehen unterschiedliche Festigkeit und Elastizität sowie unterschiedliche Wasserspeicher-Kapazität, Wärme-Dämmung und Wärme-Speicherung.
Prima Klima
Lehm bietet eine Menge bauphysikalischer und gesundheitlicher Vorzüge. So hat er einen sehr guten Schall- und Tritt-Schutz, ist atmungsaktiv und wirkt temperatur- sowie feuchtigkeitsausgleichend, insbesondere, wenn Schilf, Stroh, Kork, Holzspäne oder Hanffasern zugegeben werden. Häuser und Räume mit Lehmwänden und Lehmböden bleiben im Sommer kühl und speichern im Winter die Heizungswärme. Die Luftfeuchtigkeit bleibt nahezu immer konstant, weil Lehm Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann.
Durch eine geringe Gleichgewichtsfeuchte von etwa viereinhalb Prozent hat Lehm eine konservierende Wirkung auf Holz. Pflanzliche und tierische Schädlinge, die in der Regel einen Wassergehalt von acht bis sechzehn Prozent in ihrer Umgebung brauchen, können in Lehmwänden und Lehmböden nicht überleben. Aus diesem Grund ist bei jahrhundertealten Fachwerkhäusern das Balkenwerk der Holz-Konstruktionen noch heute in sehr gutem Zustand
Lehm nimmt überschüssige Feuchtigkeit aus der Luft sehr schnell auf und gibt sie bei trockener (Heizungs-) Luft wieder ab. So besteht in Lehmgebäuden eine gleichmäßige relative Luft-Feuchtigkeit um die 50 Prozent – das ideale Raumklima für die Gesundheit: ein Austrocknen der Schleimhäute der Nase und der Bronchien wird verhindert sowie Erkältungs- und Atemwegs-Erkrankungen vorgebeugt. Durch die gleichmäßige Luft-Feuchtigkeit wird der Feinstaub-Gehalt der Luft verringert und Schimmel-Bildung verhindert, was den Naturstoff »Lehm« zum optimalen Baustoff für Allergiker und Asthmatiker macht. Außerdem enthält Lehm von Natur aus keine Schadstoffe und gibt auch keine ab, sondern bindet sie.
Lehmhäuser, aber auch Holz- und Strohhäuser benötigen selbst in unseren Breiten wesentlich weniger Beheizung. Selbst an kalten Tagen ist es im Inneren ausgesprochen und angenehm warm. Während selbst gedämmte herkömmliche Gebäude je nach Witterung mindestens von Anfang Oktober bis Ende April beheizt werden müssen, reduziert sich die Heizperiode in Lehmhäusern erfahrungsgemäß auf die Zeit zwischen Mitte November und Mitte März.
Wo, wie, was
Im baubiologischen Fachhandel gibt es verschiedene Lehm-Fertigprodukte. Neben klassischen Lehm-Fertigmischungen, die trocken und fein gemahlen erhältlich sind, gibt es beispielsweise Lehmbauplatten, die ohne weiteres gesägt, gefräst und gehobelt werden können oder mit Nut und Feder versehen sind. Daneben gibt es Lehm-Blöcke, Lehm-Putze und Lehm-Anstriche / Lehm-Wandfarben in mehreren natürlichen Farben.
In alternativen oder „grünen“ Branchenbüchern findet man unter dem Stichwort „Lehmbau“ zahlreiche Bezugsquellen und Adressen von Herstellern, Händlern und Handwerkern sowie von Architekten und Baubiologen, die sich mit dem natürlichen, klassischen Baustoff »Lehm« auskennen und ihre Dienstleistungen anbieten.
Verbraucher-Informationen können beim Dachverband Lehm e. V., Postfach 1172, 99409 Weimar, www.dachverband-lehm.de als gedruckte Broschüre bestellt (€ 6,50) oder direkt heruntergeladen werden. Dort sind auch weiterführende Adressen zum Lehmbau aufgeführt. Eine sehr gute Adresse für Informationen und Service zum Hausbau mit natürlichen Materialien wie Holz, Lehm und Stroh ist das Institut für Baubiologie + Ökologie – IBN, www.baubiologie.de, c/o Architekt Winfried Schneider, Holzham 25, D-83115 Neubeuern.
Quellen:
„Prima Klima mit Lehm“, in: Mahlzeit / Naturkostmagazin März 2009, S. 13, Fegers Druck & Verlag GmbH (Hrsg.), Nettetal 2009
natur & heilen, Verlag Natur & Heilen, München, Heft Nr. 8 / August 2014, „Gesund bauen, gesund wohnen“ S. 12 – 21



