Einen längst überfälligen Bericht zum Absturz von Flug MH17 gibt es noch nicht, weil die zuständigen Stellen „verschiedene Konzepte“ ihrer Stellungnahme prüfen. Diese Formulierung könnte grotesker nicht sein. Sie ist perfekt. Und bloßstellend zugleich.
Von Axel Retz
Was MH17 betrifft, haben die für die Veröffentlichung des Untersuchungsergebnisses zuständigen Stellen mittlerweile bekannt gegeben, „verschiedene Konzepte“ ihres für September avisierten Berichts zu prüfen. Wenn sich die Damen und Herren auf Sprache verstehen, transportiert diese Aussage eine ausgesprochen brisante Botschaft: Man wurde und wird unter Druck gesetzt.
„Verschiedene Konzepte“? Aber, auch das wurde angekündigt, keine Details der Aufzeichnungen von Voice- Recorder oder Flugschreibern. Warum? Die Antwort kann leider nur sein: Weil diese Details nicht zum allgegenwärtigen Feindbild Russlands passen und möglicherweise sogar in Richtung einer ukrainischen Täterschaft weisen - womit die gesamte Kuschelpolitik der EU, der USA und der Nato mit Kiew ihr Ende fände.
Was die Rolle Moskaus in diesem Thema betrifft, vergeht nun fast kein Tag mehr, an dem nicht neue Anschuldigungen aus dem Hut gezaubert werden. Am vorletzten Freitag der „Einfall“ eines russischen Militärkonvois durch ein Loch im ukrainischen Grenzzaun, dann der heimliche Transport von Waffen und Kämpfern im 287 Lkw starken Hilfskonvoi (Laster lassen sich übrigens durchsuchen) und Artilleriebeschuss ukrainischen Militärs durch russische Kräfte.



