Talfahrt der Ölpreise setzt sich fort, OPEC-Ölpreis auf 2-Jahrestief. Goldpreis fällt unter 1.250 USD je Feinunze nach Entspannungszeichen im Ukraine-Russland-Konflikt.
Von Commerzbank Commodity Research
Die Talfahrt am Ölmarkt geht weiter. Allein gestern verbilligte sich Brentöl um fast 2 US-Dollar und notiert heute Morgen mit unter 98 USD je Barrel auf einem Niveau, was zuletzt im April 2013 unterschritten wurde und davor im Juli 2012. Auch der Ölpreis für den OPEC-Rohölkorb dürfte auf den niedrigsten Stand seit Anfang Juli 2012 gefallen sein.
Ob die OPEC immer noch der Ansicht ist, dass der Ölpreis für Produzenten „gut“ ist und „alle glücklich sind“, wie es noch im Juni beim OPEC-Treffen in Wien hieß, darf angezweifelt werden. Und scheinbar reagiert die OPEC bereits auf die drohende Überversorgung des Marktes und fallende Ölpreise. Der gestrige OPEC-Bericht zeigt, dass anders als die sekundären Quellen ausgewiesen haben, Saudi-Arabien in der direkten Befragung angegeben hat, seine Rohölproduktion im August um 408 Tsd. Barrel pro Tag im Vergleich zum Vormonat gekürzt zu haben.
Diese Kürzungen sind angesichts steigender Produktion in den USA und Libyen auch bitter nötig. Laut NOC ist die libysche Ölproduktion zuletzt auf 810 Tsd. Barrel pro Tag gestiegen, ein Anstieg von 600 Tsd. Barrel ggü. dem Tief im April. Allerdings wären für eine Herstellung des Gleichgewichts am Ölmarkt und eine langfristige Preiserholung weitere Kürzungen seitens der OPEC von Nöten.
Angesichts der hohen vom Budget geforderten Öleinnahmen und der Senkung der Verkaufspreise für sein Öl im Oktober ist es fraglich, ob Saudi-Arabien zu diesem Schritt schon bereit ist. Auch die neuen OPEC-Prognosen, die am Mittag veröffentlicht wurden, belasteten die Preise. Die OPEC folgte dabei der Einschätzung der US-Energiebehörde vom Vortag: die Perspektiven für die US-Rohölproduktion wurden angehoben, während gleichzeitig die Prognose für die globale Ölnachfrage, wenn auch nur geringfügig, nach unten revidiert wurde.
Gold
Der Goldpreis handelt heute Morgen unter 1.250 USD je Feinunze und damit nur marginal über seinem gestern verzeichneten 3-Monatstief. Die EU hat sich bislang noch nicht zur Umsetzung neuer Wirtschaftssanktionen gegen Russland durchringen können.
Dies, gepaart mit dem vom ukrainischen Präsidenten Poroschenko bestätigten Rückzug russischer Truppen aus der Ostukraine, wird von den Marktteilnehmern offenbar als Entspannungszeichen im Ukraine-Russland-Konflikt angesehen. Da es zuletzt auch rund um die anderen Krisenherde ruhiger geworden ist, ist Gold als sicherer Hafen weniger gefragt. Das niedrige Preisniveau wird aber anscheinend von manchen Investoren als attraktive Kaufgelegenheit erachtet.
So berichtete der weltgrößte Gold-ETF, SPDR Gold Trust, für gestern einen Zufluss von drei Tonnen. Damit sich dies jedoch stützend auf den Goldpreis auswirkt, bedarf es weiterer Zuflüsse über einen längeren Zeitraum hinweg. Solange der Goldpreis aber vor allem von der Investmentnachfrage keine Unterstützung erfährt, wird es unseres Erachtens nicht zu spürbaren Preissteigerungen kommen.
Im Fahrwasser von Gold stehen auch die anderen Edelmetalle unter Druck. Silber handelt unter 19 USD je Feinunze, Platin fällt auf ein 7-Monatstief von knapp 1.380 USD je Feinunze und Palladium notiert vorübergehend unter 850 USD je Feinunze.



