In seinem letzten Buch rechnet Peter Scholl-Latour mit der Politik des Westens ab: „Der dümmste Ausdruck, der den deutschen Kommentatoren in den vergangenen Monaten eingefallen ist, um jene Stimmen zu diffamieren, die ein Minimum an Objektivität bei der Beurteilung der russischen Diplomatie anforderten, lautet ‚Putin-Versteher‘.“
Er verstarb plötzlich und unerwartet am 16.August. Nun erscheint rund vier Wochen nach seinem Tod das letzte Buch von Peter Scholl-Latour: „Der Fluch der bösen Tat – Das Scheitern des Westens im Orient“. In dem Werk geht es nicht nur um das Folgen der westlichen Kriegspolitik in Libyen und Irak, sondern es ist auch eine Generalabrechnung mit westlichen Poltikern in Sachen Russland und Ukraine.
Spöttisch äußert sich Scholl-Latour zu Bundeskanzlerin Merkel, die er als „Zarin aus der Uckermark“ bezeichnet. Sie gelte gelte zwar als „die mächtigste Frau der Welt“. „Deshalb glauben wohl die Emissäre Berlins bei ihren Auslandsauftritten, ihren ‚unterentwickelten‘ Gastgebern Mängel an Demokratie und Meinungsfreiheit vorwerfen zu müssen.“
Der Autor beleuchtet, wie die vermeintlich Mächtigen der Welt hinter der polierten Diplomatie-Fassade unbeirrt auf schmutzige Spielchen wie Geheiminterventionen und Desinformations-Kampagnen setzen.
In Zusammenhang mit der Ukraine-Krise wirft Scholl-Latour dem Westen, insbesondere den USA und Großbritannien „umfassende Desinformation“ vor. „Der dümmste Ausdruck, der den deutschen Kommentatoren in den vergangenen Monaten eingefallen ist, um jene Stimmen zu diffamieren, die ein Minimum an Objektivität bei der Beurteilung der russischen Diplomatie anforderten, lautet ‚Putin-Versteher‘.“
Noch im April 2014 beantworte Scholl-Latour mit elf weiteren Prominenten, darunter US-Republikaner John McCain, Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger und Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, im FOCUS die Frage nach einem Konflikt in der Ukraine: „Es wird keinen Krieg geben. Die Ukrainer müssen sich auf einen föderalen Staat einigen. Die Ostukraine passt einfach nicht zur Westukraine. Und die Krim ist russisch, und wird es bleiben.“
Ganz gleich, ob man Putin als „glühenden und schmerzlich gedemütigten Patrioten“ einordne oder als „machtbesessenen, expansionssüchtigen Autokraten“ – für Scholl-Latour ist das oberste Gebot einer vernünftigen Beurteilung, die strategische Zielsetzung des russischen Präsidenten zu erforschen. Und diese ist eher eine engere Zusammenarbeit mit Westeuropa, z.B. durch eine "Euroasische Union".
In Scholl-Latours Augen jedoch verkennen viele die eigentlichen Interessen Russlands. So sei Putins Projekt der „Eurasischen Union“ ein lockerer Zusammenschluss. Statt Russland hier Expansionismus zu unterstellen, betont der Autor die asiatische, defensive Dimension des Vorhabens. Dass viele westliche Politiker dies nicht so sehen, wertet Scholl-Latour als Beweis für ihre Unfähigkeit und Ignoranz.
Anders als die Regierung in Kiew und die Nato interpretiert Scholl-Latour das Interesse des Kremls an der Ukraine nicht als Expansionskurs, sondern eher als defensive Strategie: „Die Ukraine war aus Moskauer Sicht als europäische Verankerung der ‚Eurasischen Union‘ auserkoren, mit der Putin sein vom westöstlichen ‚Zangengriff‘ bedrohtes Rest-Imperium abzuschirmen suchte“.
Den Abschuss von MH17 bezeichnet Scholl-Latour als Wendepunkt in der Ukraine-Krise. Zuvor hätte man den „Wunsch der ost-ukrainischen Provinzen Lugansk und Donezk, sich aus der Bevormundung durch Kiew zu lösen“ und „zumindest einen gewissen Grad an Autonomie zu erreichen“ vielleicht noch auf diplomatischen Wege lösen können. Nach dem Flugzeugunglück sei der Streit aber „völlig aus dem Ruder laufen“.
Zur angeblichen Schuld Russlands am Abschuss von MH17 äußert sich Scholl-Latour zurückhaltend: „Wenn eine Regierung ein Interesse daran hatte, eine solche Eskalation zu vermeiden, dann diejenige im Kreml. Aber der Schuldspruch war schon gefällt.“
Die EU und die Europäer sieht Scholl-Latour als Vasallen der USA. Das Vorgehen des Westens sei dubios. Obama gebe die Richtung vor in dem er alle Schuld dem Kreml anlaste, und die Europäer fügten sich wie immer dem Willen des mächtigen amerikanischen Verbündeten.
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