Schottland-Debatte: DZ-Bank-Chefökonom warnt vor Rückfall Europas in die Kleinstaaterei. Die Tendenz eines gespaltenen Europas könne man schon länger beobachten
Die Tendenz eines gespaltenen Europas könne man schon länger beobachten, sagte Bielmeier weiter. Das sei insbesondere durch die Euro-Krise hervorgerufen worden. „Die strukturellen Unterschiede innerhalb Europas beziehungsweise innerhalb einiger Länder sind ja unübersehbar“, gab der Volkswirt zu bedenken. In der Folge hätten wirtschaftliche stärkere Regionen wirtschaftlich schwächere Regionen! mit Ausgleichszahlungen unterstützen müssen. Mit der Krise sei dieser Effekt noch verstärkt worden. „Dadurch haben die Unabhängigkeitsbewegungen Auftrieb bekommen.“
Im Fall von Schottland sieht Bielmeier bei einer Abspaltung mehrere wirtschaftliche Risiken. Falls heimische Großbanken ihren Sitz nach London verlegen sollten, sei nicht auszuschließen, dass auch andere Großunternehmen abwanderten. „Damit wäre Schottland für Investoren weniger interessant und das würde die Wirtschaft des Landes insgesamt zurückwerfen.“ In der Währungsfrage, so Bielmeier weiter, könnten die Schotten zwar das Pfund ohne die explizite Erlaubnis der Engländer weiter als Zahlungsmittel verwenden. Andere Länder praktizierten dies mit dem US-Dollar. „Ohne eigene Notenbank würden allerdings die schottischen Geschäftsbanken den Zugang zur britischen Notenbank verlieren, was im Krisenfall zu Liquiditätsproblemen führen kann.“
Nachteile sieht Bielmeier auch für Großbritannien. Durch die wegfallenden Einnahmen aus Öl- und Gasvorkommen würden zwar keine größeren Löcher in den britischen Haushalt gerissen. „Problematischer wären die Auswirkungen auf den Handel und die zu erwartende Eintrübung des Sentiments“, sagte der DZ-Bank-Chefökonom. „Somit hätte eine Abspaltung Schottlands sicherlich negative Konsequenzen für die britische Wirtschaftsleistung insgesamt. Ein deutlicher Dämpfer wäre sehr wahrscheinlich.“



