Am Ölmarkt macht sich allmählich Panik breit. Der Brentölpreis markierte in der Nacht bei gut 88 USD je Barrel den tiefsten Stand seit Dezember 2010. Iran folgt Saudi-Arabien und senkt seine Ölpreise deutlich. - Goldpreis vielfältig unterstützt.
Von Commerzbank Commodity Research
Am Ölmarkt macht sich allmählich Panik breit. Seit gestern Nachmittag sind die beiden wichtigsten Ölpreise nochmals um 3 USD gefallen. Der Brentölpreis markierte in der Nacht bei gut 88 USD je Barrel den tiefsten Stand seit Dezember 2010. Der WTI-Ölpreis fiel auf 83,5 USD je Barrel und ist damit so billig wie zuletzt im Juli 2012. Innerhalb der letzten zwei Wochen ist Brent um 9% gefallen, vom im Juni verzeichneten Hoch sogar um mehr als 20%.
Der Preisrückgang dürfte mittlerweile spekulative Züge angenommen haben. Die Verschlechterung der globalen Konjunkturaussichten, die gestiegene Risikoaversion und das reichliche Angebot lassen immer mehr Marktteilnehmer auf fallende Preise setzen. Die heute Abend anstehenden CFTC-Daten werden hierüber nur bedingt Aufschluss geben, da sie nur die Woche bis einschließlich Dienstag abbilden.
Zusätzlich Öl ins Feuer der Bären goss gestern der Iran, welcher dem Beispiel Saudi-Arabiens folgte und seine Preise gegenüber den internationalen Benchmarks deutlich gesenkt hat. Zwei Tage zuvor hatte der Iran dies noch ausgeschlossen. Der Preisunterbietungswettbewerb um Marktanteile ist somit in die nächste Runde gegangen. Für die Außendarstellung der OPEC ist dies ein denkbar schlechtes Zeichen. In schwierigen Zeiten wäre eher eine Kooperation vonnöten.
Es wird nun auf die OPEC ankommen, mittels Worten und letztlich auch Taten den Preisverfall zu stoppen. Verhält sich die OPEC weiterhin passiv, dürfte der Markt die Schmerzgrenze der OPEC austesten. Laut dem Beratungsunternehmen Oil Movements werden die OPEC-Lieferungen in den vier Wochen zum 25. Oktober auf ein 7-Monatshoch steigen. Dies sendet kaum das richtige Signal an den Markt, auch wenn Oil Movements den Anstieg mit einer saisonbedingt höheren Nachfrage begründet.
Edelmetalle
Der Goldpreis handelt zum Wochenausklang bei rund 1.220 USD je Feinunze und damit nahezu unverändert im Vergleich zu gestern. Ein Preisrückgang, der bei den anderen Edelmetallen zu beobachten ist, wird offenbar durch die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten außerhalb der USA verhindert. Diese spiegeln sich in schwachen Aktienmärkten wider. Der anhaltende Sturzflug der Ölpreise wird von einigen Marktteilnehmern zudem als Vorbote einer scharfen Abkühlung der Weltwirtschaft interpretiert, was zu einer höheren Nachfrage nach Gold führt.
Darüber hinaus hat der US-Dollar gestern zwischenzeitlich nochmals merklich abgewertet und die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen ist vorübergehend auf den tiefsten Stand seit 16 Monaten gefallen. Die chinesischen Händler fragen nach ihrer Rückkehr aus der „Golden Week“ offenbar verstärkt Gold nach, was sich in den physischen Prämien an der Shanghaier Goldbörse widerspiegelt, die aktuell bei 5-6 USD je Feinunze liegen.
Sollte Indien in den kommenden Wochen wegen der bevorstehenden Feiertagssaison ebenfalls mehr Gold nachfragen, dürfte dies dem Goldpreis Unterstützung geben. Silber handelt am Morgen etwas schwächer bei rund 17,2 USD je Feinunze. In Anbetracht von knapp 200 Tonnen ETF-Abflüssen bislang in dieser Woche hält sich der Preis u.E. noch erstaunlich gut.



