Bundesregierung müsste bei russischem Gasboykott Energienotfall ausrufen. Deutschland laut internem Regierungspapier schlecht vorbereitet. Versorgung der Industrie müsste unterbrochen werden. Grüne: EEG forcieren.
Ein Totalstopp von Gaslieferungen aus Russland würde Deutschland hart treffen. Das geht aus einer vertraulichen Risikoanalyse hervor, die das Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des europaweiten Gas-Stresstests für die EU-Kommission erstellt hat und die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Unter anderem wird in dem Papier durchgespielt, wie sich die deutsche Gasversorgung entwickeln würde, wenn Russland seine Gaslieferungen im Zeitraum von September bis Februar komplett einstellt.
Demnach würde Deutschland in dem Zeitraum 23 Milliarden Kubikmeter Gas fehlen, das entspricht fast der Hälfte des Gesamterbrauchs von 51,2 Milliarden Kubikmeter. Weil nur wenig der Fehlmenge zusätzlich aus Norwegen oder durch sogenanntes Flüssiggas bezogen werden könnte, müsste die Bundesregierung nach kurzer Zeit den Energienotfall ausrufen.
Dann würde unter anderem die Bundesnetzagentur darüber bestimmen, wer noch Gas bekommt: Der Industrie entstünde ein enormer Schaden, weil spätestens nach wenigen Monaten vielen Betrieben und nicht-systemrelevanten Kraftwerken das Gas abgedreht würde. Zwar ist die Versorgung von Privathaushalten als vorrangig zu beliefernde „geschützte Kunden“ der Analyse zufolge rein rechnerisch gesichert - in der Praxis könnte es jedoch zu technischen Schwierigkeiten kommen.
Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Oliver Krischer forderte die Bundesregierung auf, die Energiewende im Wärmebereich zu forcieren und neue Bezugsquellen für Erdgas zu erschließen.



