Unfähig, kein Mut zum Risiko, selbstgefällig: Melmut Kohl lästert in seinen unautorisierten Memoiren über die deutschen Wirtschaftslenker. Besonders kritisch zeigte er sich gegenübr dem deutschen Bankenprimus: ‘Was für eine Bank ist denn die Deutsche Bank geworden? Ist ihr Vorstand noch Elite? Die bauen doch eine Scheiße nach der anderen.’
Die unautorisierten ‘Kohl-Protokolle’ haben es in sich. Sie offenbaren, was Helmut Kohl wirklich dachte und sagte - abseits von offiziellen Verlautbarungen. Viele der Zittate durften nicht veröffentlicht werden. Nun sind sie denn zugänglich.
Besonders Wirtschaftsgrößen waren vor seinen Lästereien nicht sicher, tote wie höchst lebendige. Hartmut Mehdorn zum Beispiel, der es zur Zeit am Flughafen Berlin richten soll, bekommt bei Kohl sein Fett weg: Der Mann sei ‘kein Felsbrocken, sondern ein Riesenkiesel’, stellt er bündig fest.
Während er in den Protokollen Mehdorn nur jene fünf charakterisierenden Wörter widmet, holt Kohl bei der Beschreibung der Deutschland AG und besonders ihres ersten Geldhauses, der Deutschen Bank, länger aus. ‘Die Industrie hat doch nichts mehr drauf’, sagt er. ‘Das sind Leute, die nichts mehr wagen und riskieren. Das ist doch eine Freizeitgesellschaft geworden. Wer golft den freitagsmittags in Marbella und fliegt mit dem Firmenflugzeug dorthin? Das ist doch diese ganze Mischpoke.’
Und dann zu den Banken: ‘Was für eine Bank ist denn die Deutsche Bank geworden? Ist ihr Vorstand noch Elite? Die bauen doch eine Scheiße nach der anderen.’
Heribert Schwan, Tilman Jens: Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle.



