Wenn's um die Machterweiterung geht, sieht sich allein Brüssel im Recht. Die EU beansprucht nun den gesamten Balkan und wirft Russland die Ausweitung von Machtinteressen vor. Auswärtiges Amt: "Wir müssen den Staaten auf dem Balkan immer wieder klarmachen, dass ein Beitritt zur EU in ihrem Interesse liegt."
Die Bundesregierung ist alarmiert über eine angebliche aggressive antiwestliche Politik Russlands auf dem Balkan, wie der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe berichtet. Das gehe aus einem vertraulichen Papier des Auswärtigen Amtes hervor.
"RUS misst westlichem Balkan strategische Bedeutung zu", heißt es in der Analyse des Auswärtigen Amtes unter der Überschrift "Einfluss Russlands in Serbien". Moskau versuche, über die enge militärische Zusammenarbeit und russische Lieferungen von Gas Serbien enger an sich zu binden. "Das Ziel Putins ist, Balkanstaaten so unter Druck setzen zu können, dass sie entweder von einer EU-Mitgliedschaft Abstand nehmen oder als Mitglied EU-Beschlüsse prorussisch beeinflussen", sagt der CDU-Europapolitiker Elmar Brok. "Das ist Teil eines strategisch umfassenden Vorgehens Russlands, um die Länder politisch und vor allem wirtschaftlich zu unterwandern."
In Bosnien-Herzegowina geht Russland nach Einschätzung Berlins ähnlich vor. "Man hat den Eindruck, dass Russland versucht, über die serbische Teilrepublik Srpska Einfluss auf ganz Bosnien-Herzegowina zu gewinnen", sagt Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, der kürzlich im Auftrag der Kanzlerin dort unterwegs war. "Das erschwert auch den Weg des Nachbarstaats Serbien in die EU."
Die Bundesregierung tut sich schwer, eine Antwort auf das russische Vorgehen zu finden. "Wir können in keinen Bieterwettbewerb eintreten", sagt der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth. "Wir müssen den Staaten auf dem Balkan immer wieder klarmachen, dass ein Beitritt zur EU in ihrem Interesse liegt."



