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Öl unter 40?

Der DAX tut sich erneut etwas schwer im Bereich der 10.000er Marke. Die Versorger und Airlines profitieren vom Öl-Crash. und die Frage ist: wie tief kann es mit dem Ölpreis noch nach unten gehen?

 

Von Jochen Steffens

Der DAX tut sich erneut etwas schwer im Bereich der 10.000er Marke. Das war, wie auch hier geschrieben, zu erwarten. Es hat unter anderem etwas damit zu tun, dass am Thanksgiving-Wochenende, also dem wichtigsten Verkaufswochenende in den USA, die Erwartungen enttäuscht wurden. Laut der National Retail Federation ist ein Umsatzrückgang um 11 Prozent zum vorjährigen "Black Friday" zu verzeichnen. Das ist durchaus schon beachtlich. Allerdings konnten wohl erneut Onlinehändler, wie Amazon, zulegen.

 

Die Reaktion der US-Indizes am Montag war entsprechend verhalten. Und das setzte der DAX heute im frühen Handel um, so dass er die 10.000er Marke zunächst nicht halten konnte. Die Entscheidung, ob diese Marke nun nachhaltig fällt oder nicht, kann auch noch eine Weile andauern. Wie geschrieben, besteht etwas Grund zur Sorge, da die US-Indizes doch mittlerweile deutlich überkauft sind. Aber warten wir ab, was heute in den USA geschieht. Und bis dahin zu einem anderen Thema:

Ölpreis an der 70-Dollar-Marke

Am 04.11.2014 schrieb ich, dass die nächste Unterstützung beim Ölpreis bei 70 Dollar liegt. Diese Marke wurde nun erreicht. Zeit für ein kleines Update.

 

Der Ölpreis hat nun die 70-Dollar-Marke unterschritten und an dieser einen ersten kleinen Rebound gestartet. Das war zu erwarten, die 70-Dollar-Marke als psychologisch wichtige Unterstützung sollte erst einmal für eine Gegenreaktion gut sein. Allerdings erkennen Sie auch, wie dynamisch der Abverkauf in den vergangenen Wochen gewesen ist. Und das heißt, dass wir noch nicht davon ausgehen können, dass dieser zu Ende ist. Dazu müssten sich erst deutlichere Umkehrsignale ausbilden.

Im Moment ist die Wahrscheinlichkeit noch leicht höher, dass der Ölpreis nach einer Gegenbewegung weiter abwärts rutscht. Das nächste Kursziel liegt dann bei ca. 50 Dollar. Sollte die aktuelle Gegenbewegung sehr kurz ausfallen und der Abverkauf dann genauso dynamisch weitergehen, muss sogar damit gerechnet werden, dass auch noch die 50er-Marke kurzfristig nach unten gebrochen wird – in Form eines „Ausverkaufs“. Die Zielbereich läge dann etwa im Bereich der 40-Dollar-Marke (ich weiß, fast unvorstellbar).

 

Und wie tradet man dieses Szenario?

Aber selbst wenn das geschieht, sollte der Ölpreis anschließend mittel- bis langfristig im Bereich der 50-Dollar-Marke gut unterstützt sein. Wenn er diesee Marke erreicht, ist die Wahrscheinlichkeit demnach hoch, dass er hier einen Boden ausbildet. Und in diesem Fall könnten sich gute Einstiegsmöglichkeiten ergeben.

Kleiner Einschub: Ich weiß, viele Trader werden, wenn sie solche Kurseinbrüche sehen, gierig. Gierig, in die zum Trend entgegengesetzte Bewegung zu traden. Schließlich kommte es nach so einem Einbruch oft zu schnellen Aufwärtsbewegungen. Und was ist, wenn der Ölpreis bereits an der 70-Dollar-Marke ohne Bodenbildung statt einer Gegenbewegung mit anschließend weiter fallenden Kursen eine schnellen Kursanstieg bis an die 100-Dollar-Marke startet?

Ja, was ist dann? Nichts! Dann hat man eine schöne Kursbewegung verpasst - die gibt es immer und immer wieder. Aber es gibt viele andere Trades, bei denen das Chancen / Risiko-Verhältnis deutlich besser ist. Gegen so einen Abverkauf investiert man nicht ohne klare Signale! Es ist ansonsten einfach von den Wahrscheinlichkeiten ein „schlechter“ Trade.

 

Kein vergleichsweise freier Markt

Hinzu kommt, das aber nur nebenbei, dass der Ölmarkt ein „manipulierter“ Markt ist. Und das ist nicht einmal ein Geheimnis. Er ist es ganz offiziell. Einerseits, da es Anbieter, wie zum Beispiel Saudi-Arabien gibt, die ganz allein relativ einfach die Kurse bewegen können. Aber daneben gibt es auch noch ein bekanntes Kartell, die OPEC, dessen Aufgabe es ist, Fördermengen und Preisabsprachen zu beschließen – auch wenn dessen Mitglieder im Moment nicht einig sind.

Und bei einem „manipulierten Markt“, und dasselbe gilt auch für vom Umsatz her „kleine Märkte“, hat man von den Wahrscheinlichkeiten sowieso schon schlechtere Karten. Und deswegen sollte man umso mehr darauf achten, dass man die anderen Prozentpunkte Wahrscheinlichkeit auf seine Seite holt.

Fazit

Kurz: Auf der Short-Seite ist der Ölpreis mittlerweile zu überverkauft, auf der Long-Seite fehlen noch die klaren Einstiegsignale. Interessant bleibt er vorerst nur im Hinblick auf die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises auf die Wirtschaft.

www.stockstreet.de

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