Öl auf der Suche nach "Boden". Aber: Spekulative Finanzanleger weiten Netto-Long-Positionen bei Brent und WTI überraschend stark aus. - Goldpreis in USD fest, in Euro gerechnet sogar nahe des Hochs vom September 2013
Von Commerzbank Commodity Research
Öl
Auf der Suche nach dem „Boden“ erreicht der Brentölpreis immer neue Tiefs und handelt heute nach einem erneut starken Preisrückgang nur knapp über 65 USD je Barrel. Dabei ist jedoch die Zahl selbst eher irrelevant. Vielmehr gilt es herauszufinden, ab welchem Niveau sich die Grenzproduktion, seien es die Schieferölproduktion in den USA, die Ölsandprojekte in Kanada oder andere teure Projekte, langfristig nicht mehr rentiert und deshalb keine Neuinvestitionen anlocken wird. Denn die OPEC wird offensichtlich vorerst nicht reagieren bzw. sogar zusätzlich Öl ins Feuer gießen, indem man den Preiskampf weiter betreibt.
So wurde gestern bekannt, dass auch der Irak die Preisabschläge für asiatische Kunden für Januar noch einmal massiv auf nun 4 USD je Barrel erhöht hat. Im Januar dieses Jahres mussten seine Kunden noch einen Preisaufschlag von rund 1 USD zahlen. Wir sind überzeugt, dass die Investitionen in einigen Grenzprojekten bei den jetzigen Preisen stark zurückgehen werden und rechnen daher langfristig mit höheren Ölpreisen.
Dass die Stimmung am Ölmarkt äußerst negativ ist und die Preise auch sehr schnell steigen könnten, hat man letzten Montag gesehen, als sich der Brentölpreis ohne erkennbaren Grund im Handelsverlauf um fast 8% erholte. Die neueste Statistik der ICE zeigt, dass dies vor allem auf einen Short-Squeeze, die Eindeckung von Leerverkäufen, zurückzuführen war. Diese waren für über zwei Drittel des gesamten Anstiegs der Netto-Long-Positionen der Großanleger zuständig.
Wir sind über das Ausmaß des spekulativen Optimismus überrascht. Denn obgleich der Brentölpreis in der Woche zum 2. Dezember um 10% einbrach, sind die Netto-Long-Positionen der Großanleger um 27,8 Tsd. bzw. 45% auf 90,1 Tsd. Kontrakte gestiegen und befinden sich damit auf dem höchsten Niveau seit vier Monaten. Ein nach wie vor hoher Anlegeroptimismus steht einem nachhaltigen Preisanstieg im Wege.
Edelmetalle
Der Goldpreis ist trotz der USD-Stärke erneut über die psychologisch wichtige Marke von 1.200 USD je Feinunze gestiegen und befindet sich gemessen in Euro mit rund 980 Euro je Feinunze sogar unweit des Hochs von September 2013. Aus unserer Sicht wird die Politik der Zentralbanken große Auswirkungen auf das Anlegerverhalten und auch die Preisperspektiven für Gold in den verschiedenen Währungsräumen haben.
Denn während die US-Fed bereits im zweiten Quartal 2015 den Zinserhöhungszyklus einleiten sollte, geben die Zentralbanken in Japan und in der Eurozone weiterhin „Gas“ und möchten ihre Bilanzsummen weiter massiv ausweiten. Gold als Vermögensschutz, unabhängige „Währung“ und Sachwert dürfte in dieser Situation von einer stärkeren physischen Nachfrage profitieren.
Während die Gold-ETF-Anleger auf der Suche nach Rendite weiter in Aktien und Anleihen umschichten – gestern hatten die Gold-ETFs erneut einen Rückgang der Bestände um 3,4 Tonnen verzeichnet – steigt die Nachfrage nach Münzen und Barren teilweise stark an. Wir rechnen in den kommenden Monaten bei Gold mit einem stabilen Preisverlauf in USD und einem Preisanstieg gemessen in Euro oder Yen.



