Jüngster Ölpreisrückgang nicht spekulativ getrieben. Seit Juni haben sich die Preise inzwischen nahezu halbiert. Aus der OPEC gibt es weiterhin keine Anzeichen, auf den Preisverfall zu reagieren.
Von Commerzbank Commodity Research
Die Ölpreise befinden sich weiter im freien Fall. Brent handelt unter 60 USD je Barrel, WTI bei weniger als 55 USD je Barrel, was jeweils den niedrigsten Niveaus seit 5½ Jahren entspricht. Seit Juni haben sich die Preise inzwischen nahezu halbiert. Aus der OPEC gibt es weiterhin keine Anzeichen, auf den Preisverfall zu reagieren. Der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate sieht keine Notwendigkeit für eine außerplanmäßige Sitzung.
Die OPEC sieht sich auch nicht mehr als „Swing-Produzent“, welcher den Markt wieder ins Gleichgewicht bringt. Stattdessen erwartet die OPEC, dass der Markt dies selbst übernimmt. Die Anpassung muss somit über den Preis erfolgen. Ein Ende der Talfahrt ist daher nicht in Sicht, zumal es derzeit noch keine sichtbaren Anzeichen für eine anziehende Nachfrage oder eine Angebotseinschränkung außerhalb der OPEC gibt.
Die Nachfrage soll sich im nächsten Jahr jüngsten Schätzungen zufolge weniger dynamisch entwickeln als bislang erwartet, wofür insbesondere die ölproduzierenden Länder wie Russland verantwortlich zeichnen. Von daher verspricht die massive Zinserhöhung der russischen Zentralbank nichts Gutes (siehe auch Edelmetalle unten). Zwar ist die Zahl der aktiven Ölbohrlöcher in den USA laut Baker Hughes in der letzten Woche deutlich gesunken.
Dennoch wird es wohl noch Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, bis sich dies in den harten Produktionsdaten niederschlägt. Aktuelle Positionierungsdaten zeigen, dass der Ölpreisrückgang nicht spekulativ getrieben ist. Im Gegenteil, die spekulativen Netto-Long-Positionen bei Brent und WTI sind zuletzt sogar gestiegen, im Falle von Brent sogar auf das höchste Niveau seit Anfang August.
Unterdessen macht sich der Ölpreis-Verfall auch an der Börse bemerkbar. Insbesondere Öl-sensitive Werte wie die Versorger und Ölproduzenten und -förderer mit kräftigen Einbussen. Beim DAX ging es mit RWE und Eon runter. Airlines profitieren dagegen von den schwachen Preisen. Lufthansa gehört heute zu den Gewinnern.



