Im Gegensatz zur Wirtschaftskrise im Jahre 2008 ist heute die wirtschaftliche Verstrickung Russlands mit dem Ausland wesentlich grösser. Die direkten Auslandschulden der russischen Gesellschaften gegenüber dem Westen betragen nach offiziellen Angaben 120 Milliarden Dollar.
Es waren die Sanktionen des Westens und die gleichzeitig einsetzende Baisse der Ölpreisnotierungen, die nunmehr aus dem wiedererstarkten und stolzen Russland innert Monaten ein Land in Panik gemacht haben. Russland verbrennt seine mühsam aufgebauten finanziellen Reserven im Versuch, das Land wirtschaftlich zu stabilisieren. Anfangs des Jahres betrugen die Staatsreserven noch stolze 430 Milliarden Dollar, inzwischen sind sie auf 300 Milliarden abgeschmolzen.
Und – von der russischen Öffentlichkeit nicht beachtet oder realisiert – ist ein Grossteil dieser Fondswerte Kapital, das für die Renten- und Altersvorsorge vorgesehen ist. Die russische Wirtschaft schwächelt schon seit Monaten, jetzt fällt sie zunehmend in eine Rezession. Die Inflation ist bereits in den zweistelligen Bereich gerutscht mit wenig Hoffnung auf eine baldige Stabilisierung. Der Rubel rollt, aber nur noch abwärts, die Kaufpanik der Russen (Flucht in Konsum und Substanz) wird das noch beschleunigen.
Im Gegensatz zur Wirtschaftskrise im Jahre 2008 ist heute die wirtschaftliche Verstrickung mit dem Ausland wesentlich grösser. Die direkten Auslandschulden der russischen Gesellschaften gegenüber dem Westen betragen nach offiziellen Angaben 120 Milliarden Dollar (damals 2008 nur acht Milliarden).
Davon werden in den nächsten 6 Monaten mindestens 40 Milliarden zur Rückzahlung fällig. Einschnürende westliche Sanktionen lassen aber keine Refinanzierung im Westen mehr zu. Gegen die Oligarchen, die Putin bisher (nicht selbstlos) unterstützten, laufen Reise- und Devisensperren.
Die Aktien haben an der Moskauer Börse seit dem 15. November um 120 Milliarden Dollar an Börsenkapitalisierung, also an Wert, verloren. Für die direkten Holdings der Oligarchen wird ein Verlust von 62 Milliarden Dollar errechnet. „Geld spricht seine eigene Sprache“ ist ein altes russisches Sprichwort. Es wird darum – wenn auch vorerst nur in kleinen Schritten – die Festung aufweichen. Putin kann sich nur aus der Umklammerung lösen, wenn er gegenüber dem Westen Verhandlungsbereitschaft auch in Sachen Ukraine zeigt.
Doch hier stösst der Westen vorerst auf Granit. Russland wird nie einer befriedeten Ukraine zustimmen, die sich dem Westen zuwendet. Denn das würde ja heissen, dass westliche Truppen sich direkt an den russischen Grenzen einnisten könnten und via NATO auch tun würden.
Daher wird Putin weiterhin die Ukraine als Pfand benützen, um dem Westen wesentliche Konzessionen abzuringen. Eine bündnisfreie Ukraine könnte hier eine Lösung bringen. Die derzeitige Verzahnung des Westens und Moskaus spricht aber noch dagegen. Die wirtschaftliche Realität wird hier wohl oder übel über die Zeit einen politischen Kompromiss hervorbringen. Inzwischen muss Putin versuchen, den wirtschaftlichen Scherbenhaufen zu kitten. Die Quadratur des Zirkels ist gefragt.



