HB Gabor Steingart: Europa besitzt nicht nur eine gemeinsame Währung, sondern auch gemeinsame Gefühle. Das mittlerweile millionenfach gerufene, ins Fenster gestellte, aufgestickte, gemalte "Je suis Charlie" ist eine moderne Interpretation des Wortes Solidarität. Wenn es eine Zärtlichkeit zwischen Völkern gibt, dann sieht sie so aus.
Von Gabor Steingard via Handelsblatt Morning Briefing
Nach Tagen der Grausamkeit blicken wir also mit fünf guten Gründen in eine Woche, in der sich Optimismus und Realismus wieder aussöhnen könnten.
1. Die universellen Menschenrechte - es gibt sie doch. Die Weltreligionen haben sich auf den Straßen von Paris dazu bekannt. Der erste Satz einer noch zu schreibenden neuen Weltordnung wurde vor aller Augen vorgelebt: Der Andere ist nicht mehr der Fremde.
2. Europa besitzt nicht nur eine gemeinsame Währung, sondern auch gemeinsame Gefühle. Das mittlerweile millionenfach gerufene, ins Fenster gestellte, aufgestickte, gemalte "Je suis Charlie" ist eine moderne Interpretation des Wortes Solidarität. Wenn es eine Zärtlichkeit zwischen Völkern gibt, dann sieht sie so aus.
3. Die gestern gezeigte Innigkeit zwischen französischem Präsidenten und deutscher Kanzlerin demonstrierte keine persönliche, sondern eine politische Vertrautheit. Frankreich und Deutschland sind die zwei Kammern des europäischen Herzmuskels. Trotz gelegentlicher Verspannungen: Da flimmert nichts.
4. Die Innere Sicherheit wird nun als Aufgabe aller Demokraten begriffen, nicht länger als Hobby von Spionageexperten und Waffennarren. Der islamische Terror hat sich selbst zur Chefsache gemacht. Das Festival der Naivität ist abgeblasen.



