Sinkende Verbraucherpreise, aber keine echte Deflation.
Von Deutsche Postbank Research
Einen Monat, nachdem die EWU-Inflationsrate in den negativen Bereich gerutscht ist, sind nun auch die deutschen Verbraucherpreise im Vorjahresvergleich rückläufig. Die Inflationsrate gab laut Schnellschätzung im Januar in nationaler Berechnung von 0,2% auf -0,3% nach. Der Rückgang fiel damit deutlicher aus als erwartet worden war. In harmonisierter Rechnung, die auch in die Berechnung der EWU-Inflationsrate einfließt, war der Sturz sogar noch tiefer. Hier sackte die Inflationsrate von 0,1% auf -0,5% ab.
Im Vormonatsvergleich sank das Verbraucherpreisniveau um 1,0% in nationaler Abgrenzung bzw. um 1,3% in harmonisierter Berechnung. Ein Preisrückgang im Januar ist in Deutschland die Regel, was vor allem an Nachlässen bei Pauschalreisen und Bekleidung liegt. Allerdings wurde der jahresanfängliche Preisrutsch in diesem Jahr durch die Energiekomponenten noch verstärkt. So lagen die Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe im Januar 9% unter Vorjahresniveau. Auch die Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln hat zum Rückgang der Inflation in den letzten Monaten einen signifikanten Beitrag geleistet. Hier mussten Verbraucher zu Jahresbeginn 1,3% weniger bezahlen als vor einem Jahr.
Insgesamt setzte sich der Abwärtstrend der Inflationsrate damit beschleunigt fort. Der massive Ölpreisverfall hatte ein Abrutschen in den negativen Bereich vermuten lassen. Und dort wird die Inflation wohl auch vorerst bleiben. Denn der Druck von der Rohstoffseite könnte noch einige Zeit anhalten. Allerdings war beim Ölpreis zuletzt eine Stabilisierung auszumachen, an die sich im weiteren Jahresverlauf eine moderate Erholung anschließen sollte.
Trotz des rückläufigen Preisniveaus ist das Risiko einer deflatorischen Entwicklung in Deutschland und dem Euroraum gering. Die negative Inflationsrate resultiert im Wesentlichen aus einem starken Preisrückgang bei einzelnen Komponenten des zur Berechnung des Lebenshaltungskostenindex herangezogenen Warenkorbs. Ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln und Energie lag die Inflationsrate in Deutschland im Januar bei 1,1% und damit deutlich oberhalb der Nulllinie. Auch im Euroraum ist die Jahresrate mit 0,7% noch klar im positiven Bereich. Eine Analyse der Preisentwicklung bei einzelnen Gütergruppen zeigt, dass der Anteil der Komponenten, die im Vorjahresvergleich eine negative Preisentwicklung aufweisen, in den letzten Monaten zwar angestiegen ist. Mit rund 30% am gesamten Warenkorb der Wert aber noch nicht auf einem außerordentlich hohen Niveau. In Japan und Hong Kong, beides Staaten mit einer deflatorischen Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit, lagen die Anteil bei 70% bzw. bis zu 90%.
Rückläufige Energie- und Nahrungsmittelpreise dürften im aktuellen konjunkturellen Umfeld eher hilfreich sein, da sie die Kaufkraft der Privathaushalte stärken und die Kostenbelastung der Unternehmen senken. Ein Abrutschen in einen deflatorische Spirale, die durch eine sinkende Binnennachfrage gekennzeichnet ist, erscheint vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich. Gegen ein solches Szenario spricht auch die starke Abwertung des Euro, die im weiteren Jahresverlauf für Aufwärtsdruck bei den Preisen sorgen wird. Wir rechnen daher damit, dass die Inflationsrate spätestens in der zweiten Jahreshälfte wieder in den positiven Bereich zurückkehrt. Im Jahresdurchschnitt erwarten wir eine Inflationsrate von 0,3% in Deutschland.



