Schöne neue Hypotheken-Welt in Dänemark: Die Nordea-Bank vergibt erstmals Kredit mit Negativ-Zins. Die Häuslebauer müssen also weniger zurückzahlen, als sie sich von der Bank geliehen haben. Wie weit kann das gehen?
Zur Bank gehen, Kredit nehmen und anschließend weniger zurückzahlen als man bekommen hat? Der Traum jedes Schuldners. Er wird jetzt wahr in Dänemark.
Die dänische Nordea Bank - eines der größten Kreditinstiute des Landes - hat erstmals einen Hypotheken-Kredit zum Negativ-Zinssatz von 0,03 Prozent ausgegeben. Es handelt sich um sogenannt "F1-Darlehen". Diese laufen über ein Jahr und werden am Ende eines jeden Jahres um den aktuellen Zinssatz um ein weiteres Jahr verlängert.
Für den Verbraucher ist diese Variabilität offenbar kein großes Risiko. Es kann sogar sein, dass die Zinsen in den nächsten Jahren noch weiter ins Minus rutschen. Und selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie steigen sollten, dürften sie kaum alte Niveaus vergangener Zeiten erklimmen.
So schön die Angelegenheit für die Kreditnehmer zu sein scheint, so brandgefährlich ist sie allerdings fürs Geldsystem, das zwangsläufig auf Expansion ausgelegt ist. Die niedrigen Zinsen in Euro-Land und teils sogar negative Zinslandschaft sind nichts anderes als ein unübersehbares Alarmsignal, dass dem System ein deflatorischer Schock droht.
Eine Deflation führt jedoch zu einem schnelleren Infarkt des Geldsystems als eine Inflation. Problem dabei: Die Notenbanken kriegen eine Deflation kaum in den Griff - auch wenn sie was anderes behaupten.
Vor diesem Hintergrund ist das Anwerfen der EZB-Notenpresse via Bond-Käufen nichts anderes, als ein letzter verzweifelter Versuch, das Ruder noch einmal herumzureißen. Ob dies jedoch gelingt - in gesättigten Gesellschaften -, ober ob "Pferde noch mal saufen werden", ist zweifelhaft.
Da nutzt es wohl auch wenig, dass die dänische Notenbank ihren Negativ-Zins für Einlagen erneut angehoben hat. Auf Geld-Einlagen bei ihr werde jetzt ein Strafzins von 0,5 Prozent statt wie zuletzt von 0,35 Prozent fällig, teilte die Zentralbank bereits am Donnerstag mit. Damit soll die Aufwertung der Krone bekämpft werden.
Ob das gelingt ist ebenfalls zweifelhaft: Siehe Schweiz.



