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Tatort Moskau: Wer tötete Boris Nemzow?

Nemzow-Mord könnte Putin gefährlich werden. Motiv und Täter liegen noch im Dunkeln. James Bond in Russland? Ausländische Geheimdienste für den Mord verantwortlich? Behörden ermitteln im Auftrag von Putin in alle Richtigen.

 

Von Andreas Männicke

Am 28. Februar wurde der oppositionelle Politiker Boris Nemzow kaltblütig durch ein Attentat nachts auf einer Brücke 100 Meter vor Kreml in Moskau  ermordet. Er  wurde begleite von einer Frau aus der Ukraine. Jetzt beginnt die Spekulationen, wer hinter diesem brutalen Auftragsmord steckt. Bei westlichen Medien führt die Spur der möglichen Hintermänner sofort in den Kreml, in dem eine Reihe von weiter unaufgeklärten Auftragsmorden angeführt werden. Der 1. Weltkrieg begann auch mit einem Auftragsmord. Es stellt sich nun nicht nur die Frage, wie gefährlich der Tod von Nemzow in Zukunft werden könnte, sondern auch, ob daraus nicht auch große geopolitische Gefahren heraufbeschwört werden.

 

Der oppositionelle Reformpolitiker Nemzow mit 4 Kugeln aus einer Markarow-Pistole von einem Auto aus ermordet, also er nachts einen Spaziergang unweit des Kremls machte. Nemzow kritisierte Putin scharf. Noch 3 Stunden vor sein Tod machte er ein Radio-Interview in dem er das System-Putin als „One man-Show“ angriff. Nemzow meinte, das „System Putin“ würde früher oder später in die Katastrophe führen, wenn keine Reformen durchgeführt und keine  Opposition zugelassen wird.

 

Nemzow war zur Zeit der Präsidentschaft von Boris Jelzin zunächst Gouverneur in Nizhni Novogorod und später dann unter Anatoli Tschubais auch Vize-Primier. Nachdem nicht er als Reformer sondern Putin zum Präsidenten auserkoren wurde, wurde Nemzow später zum Kritiker von Putin. Ihm gelang es aber nicht, mit seiner Partei bei den letzten Parlamentswahlen in die Duma zu kommen. Er ist dennoch ein sehr angesehener Reform-Politiker der Opposition und er organsierte später auch Massenprotest gegen Putin, wo er auch selbst teilnahmen und dafür auch schon einige Tage im Gefängnis saß.

 

Nach den Angaben des ukrainische Präsidenten Petro Poroschenko besaß Nemzow auch Informationen, die belegen, dass russischen Militäreinheiten in der Ost-Ukraine aktiv seien. Diese wollte er auch in einem Buch, an dem er schrieb, später preisgeben. Am 1. März war eine große Protest-Demonstration in Moskau geplant, an der Nemzow auch teilnehmen wollte. Dies wurde dann eine Trauer-Kundgebung, die vom Kreml auch genehmigt wurde und friedlich verlief.

 

Putin selbst hält den Mord für eine „Provokation“. Er  will alles dafür tun, um den Mord aufzuklären. Nemzow sei zwar ein politischer Gegner, aber keine Gefahr für ihn. Er und sein Berater halten es für möglich, dass ausländische  Geheimdienste für den Mord verantwortlich sind. Sas wäre dann so etwas, wie eine False Flag-Attacke, also eine verdeckte Attacke eines ausländischen Geheimdienstes, um die Masse gegen Putin aufzubringen.

 

Die russischen Ermittlungsbehörden ermitteln nun in alle Richtungen, wobei im Fokus ausländische Geheimdienste, besonders der ukrainische Geheimdienste und islamische Gruppen stehen, da sich Nemzow auch solidarisch mit Charlie Hebdo erklärte. Von einer Überwachungskamera wurde der Tod von Nemzow aufgenommen.

 

In der Tat demonstrierten dann am 1. März über 50.000 Oppositionelle auch gegen Putin. Viele von Ihnen sind der Meinung, dass ihnen durch den Mord an Nemzow Angst eingeflößt werden soll. Sie würden sich aber nicht abschrecken lassen und gerade jetzt weiter gegen das „System Putin“ demonstrieren.

 

Westliche Medien brachten den Tod des Hoffungsträgeres Nemzow in Zusammenhang mit den bisher nicht aufgeklärten Morden an den System- und Putin-Kritikern wie der Tod von Sergej Juschenkow am 17. April 2003, der in der Untersuchungskommission des Sprengstoffanschlags auf Moskauer Wohnhäuser war, wie der Tod von der Journalsitin Anna Politkowskaja an Putins Geburtstag am 7. Oktober 2006, wie der Tod es Ex-KGB-Agenten und späteren Putin-Kritikers Alexander Litwinenko, wie der Tod des Rechtsanwaltes Stanislaw Markelow am 19. Januar 2009, der viele Oppositionelle vertrat (hier wurden die Mörder ermittelt und verurteilt: es waren Nationalisten), wie der Tod der Journalistin Anastassia Baburossa zusammen mit ihren Anwalt am 19. Januar 2009, die für die regierungskritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ schrieb, wie der Tod der Historikerin und Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa in Grosny am 15. Juli 2009, wie der Tod des Anwalts von Hermitage Capital Management aufgrund eines mysteriösen Herzinfarkts im Gefängnis am 16. November 2009 und schließlich wie der Tod es im britischen Exil in London lebenden russischen Oligarchen und Putin-Kritiker Boris Beresowski am 23. März 2103 in London.

Ist aber wirklich Putin für alle diese Morde verantwortlich? Zumindest titulieren westliche Medien diese Morde unter dem Begriff eines „mörderischen Systems“, das von Putin gelenkt wird.

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