Führende Politiker von Grüne und SPD fordern Entschädigung Griechenlands für NS-Verbrechen. Sozialdemokratin Schwan: „Wir sollten auf die Opfer und deren Angehörige finanziell zugehen" / Auch Stegner und Hofreiter befürworten historischen Ausgleich mit Athen.
Führende Politiker von SPD und Grünen haben sich dafür ausgesprochen, Griechenland für die Folgen der Nazi-Besatzung zu entschädigen. "Politisch ist der Fall aus meiner Sicht eindeutig: Wir sollten auf die Opfer und deren Angehörige finanziell zugehen", sagte Gesine Schwan, Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission und zweimalige Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, SPIEGEL ONLINE. "Ich glaube, es wäre von deutscher Seite gut, wenn wir in Sachen Vergangenheit vor unserer eigenen Tür kehren. Es geht darum anzuerkennen, dass wir in Griechenland schlimmes Unrecht begangen haben."
Auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sagte: "Wir sollten die Frage der Entschädigungen nicht mit der aktuellen Debatte über die Euro-Krise verknüpfen. Aber unabhängig davon bin ich der Meinung, dass wir die Entschädigungs-Diskussion führen müssen." Das gehöre zum Umgang "mit unserer eigenen Geschichte". Stegner sagte weiter: "Ich bin gegen Schlussstrichdebatten. Es gibt auch nach Jahrzehnten noch zu lösende völkerrechtliche Fragen."
Für Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter ist jenseits der Euro-Krisen-Frage klar: "Deutschland kann die Forderungen aus Griechenland nicht einfach vom Tisch wischen." Er sagte: "Weder moralisch noch juristisch ist dieses Kapitel eindeutig abgeschlossen." Die Bundesregierung wäre aus Hofreiters Sicht "gut beraten, mit Griechenland Gespräche über die Aufarbeitung der deutschen Verbrechen in Griechenland und eine gütliche Lösung zu suchen".
Die Bundesregierung hatte Forderungen aus Athen zuletzt abgeblockt. Sie hält das Thema für abschließend geklärt.



