Auf dem Weg von Frankfurt nach Südasien: Drei Minuten nach dem Start ein lauter Knall, gleißendes Licht. - Gespanntes Schweigen in der Maschine. Eine Explosion? Ein Blitz?
Von Michael Mross
Letzte Woche auf dem Weg von Berlin nach Frankfurt. Orkan über Deutschland. Nach sechsstündiger Verspätung ging's dann endlich los. Der Flug war trotz Sturms relativ ruhig. Sichere Landung in Frankfurt.
Am nächsten Tag sollte es dann weiter gehen nach Südasien. Um 15 Uhr ging's los. Der Jet bewegt sich normal zur Startbahn. Rund 270 Passagiere sitzen auf 80000 Litern Kerosin. Der Himmel teils dicht bewölkt, nichts Unnormales.
Der Kapitän gibt Vollgas. Langsam und träge hebt die Maschine ab. Der Jet kämpft sich etwas wackelig durch die Wolken. Auch das nichts Ungewöhnliches.
Dann, etwa drei Minuten nach dem Start ein lauter Knall - begleitet mit gleißendem weißen Licht an den Fenstern.
Ich dachte: Das war's jetzt!
Tausend Gedanken schießen einem durch den Kopf. Gleichzeitig gespanntes Lauschen auf die Geräusche der Maschine. Irgendetwas unnormal? Steigt sie noch? Was für Schäden mag es geben? Sind die Turbinen noch in Ordnung? Fragen ohne Antwort.
Hörte sich an wie eine Explosion von Außen, begleitet mit einer extrem hellen Lichterscheinung. Es war so, als wenn jemand von Außen auf das Flugzeug draufgeschlagen hätte. Das ganze war begleitet von einer kurzfristig extremen Infrarotstrahlung, also es wurde kurz ziemlich warm.
Betretenes Schweigen in der Kabine. Nach der ersten Schrecksekunde lautete meine Einschätzung "Blitz". Man weiß zwar, dass Flugzeuge gut gegen Blitze gerüstet sind. Wenn ein paar Millionen Volt jedoch einschlagen, kann man sich auch nicht sicher sein, ob nicht doch irgendwo was kaputt gegangen ist.
Jedenfalls möchte niemand gern als Testperson in einem faradayschen Käfig in 3000m Höhe auf 80000 Litern Kerosin sitzen. - Außerdem: Die Blitz-These war keineswegs sicher. Hätte ja auch was anderes sein können.
Die Crew schaute ein wenig besorgt. Im Verlauf der nächsten Minute surrten die Triebwerke Gott sei Dank jedoch normal und die Maschine gewann weiter an Höhe.
Nach 3 Minuten meldete sich endlich der Kapitän: Der Jet sei von einem Blitz getroffen worden, lautete seine Diagnose. Es sei aber alles ok. Defekte seien nicht erkennbar.
Aufatmen in der Kabine. Meinem Nachbarn, der zuvor in einer Art Schockstarre verharrte, schien es nun auch wieder besser zu gehen.
Die Maschine flog weiter und landete nach 10 Stunden auch sicher - sonst gäbe es diese Zeilen wohl kaum.
Ich hätte mir das Flugzeug gerne von Außen einmal angesehen, dazu gab es jedoch keine Gelegenheit. Außerdem war es bei Ankunft noch dunkel.
Fazit: ein bisschen Glück braucht man im Leben...
Es gibt bei Youtube einige Videos zu Flugzeugen, die vom Blitz getroffen wurden. Eines davon hier:



