BKA-Chef fordert Präventions-Masterplan gegen Islamisten. Münch: "Brauchen abgestimmtes System der Deradikalisierung". BKA will aber auch weiter aufrüsten.
Der neue Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, fordert ein nationales Präventionskonzept gegen Islamismus. "Wir brauchen ein abgestimmtes System der Deradikalisierung. Da haben wir in Deutschland noch keinen echten Masterplan", sagte Münch im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Wenn der Trend sich so fortsetzt, könnten wir es in einem Jahr mit 1000 ausgereisten Dschihadisten zu tun haben", so Münch. "Wir müssen uns zwangsläufig fragen, was wollen und können wir noch an Ressourcen einsetzen, um Anschläge zu verhindern."
Die schiere Masse der Islamisten mache einen Strategiewechsel notwendig. "Wir müssen darüber nachdenken, wie wir unsere Konzepte erweitern und miteinander verknüpfen", so Münch. Gefordert seien dabei neben Polizei und Nachrichtendiensten auch die Justiz sowie Sozial-, Bildungs- und Jugendbehörden. "Bund, Länder, Kommunen müssen gemeinsam zu einem tragfähigen Masterplan für Deutschland kommen", sagte der BKA-Chef. "Das betrifft ausdrücklich nicht nur die Sicherheitsbehörden."
Zugleich will das BKA aber weiter aufrüsten: "Wir müssen im Bereich islamistischer Terrorismus unsere Fähigkeiten noch stärker erweitern", so Münch. "Dafür werden wir zusätzliche Ressourcen bekommen. Der Bundesinnenminister hat 200 zusätzliche Stellen und mehrere Millionen Euro für das BKA angekündigt." Münch hatte im Dezember den langjährigen Behördenchef Jörg Ziercke abgelöst, der in den Ruhestand gegangen war.



