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FIFA: Der Untergang

Nein, der Fifa-Pate Sepp Blatter wurde nicht festgenommen. Nein, gegen Sepp Blatter liegt nichts vor: kein Auslieferungsantrag, nicht einmal einen Vorverdacht gibt es. - Doch was ist nicht ist, kann noch werden. Die Fifa: eine Fußballmafia im Korruptionssumpf, der hoffentlich bald trocken gelegt wird.

 

Via Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Birgit Pinzer zu Fifa/Blatter

Wer sich näher mit dem Fußball-Weltverband Fifa beschäftigt, der mag sich vorkommen wie in einer Zeitschleife. Egal um welchen Skandal es geht, Korruption, Bestechlichkeit, Geldwäsche - aus dem Hauptquartier der Fifa in Zürich ist seit Jahren immer wieder derselbe Satz zu hören: "The president is not involved" - der Präsident hat damit nichts zu tun.

 

Seit Mittwoch sitzen nun Fifa-Funktionäre in Schweizer Auslieferungshaft, die amerikanische Justizministerin höchstpersönlich gab eine Pressekonferenz, die US-Staatsanwaltschaft und das FBI ermitteln, außerdem die amerikanische Steuerfahndung und die Schweizer Justiz. So einen Apparat in Bewegung zu setzen, das muss man erst einmal schaffen. Das gelingt auf der Welt nur wenigen kriminellen Organisationen.

 

Und wieder hat der Präsident damit nichts zu tun? In der Tat: Am Ende könnte sich herausstellen, dass dem Bundesverdienstkreuzträger Joseph S. Blatter nichts nachzuweisen ist. Wenigstens keine Verfehlungen, die eine Verurteilung nach sich ziehen würden. Blatter sitzt nicht auf der Anklagebank, er wird (derzeit) nicht beschuldigt. Und trotzdem wäre sein Rücktritt die einzig richtige Konsequenz.

 

Die Uefa konnte sich nun immerhin dazu durchringen, eine Verschiebung der Wahl zu fordern. Für eine klare Rücktrittsforderung können sich aber bislang nur wenige in der Fifa-Familie begeistern. Stattdessen gibt es genügend Funktionäre wie den ehemaligen DFB-Boss Theo Zwanziger. Sie sprechen zwar von einem Sumpf und beklagen, dass "die Fehler im System" liegen "und sich zu viele bei der Fifa bedienen". Dabei vergessen sie allerdings, dass Blatter dieses System verkörpert. Er ist dieses System.

 

Der Schweizer Sonnenkönig mag es nicht erfunden haben - schon Vorgänger Joao Havelange hatte keinen guten Leumund - aber Blatter hat es offensichtlich etabliert und verfeinert. Deswegen ist es auch falsch, wenn sein Gegenkandidat Prinz Ali bin-Hussein davon spricht, dass der 27. Mai 2015 ein trauriger Tag für den Fußball sei. Im Gegenteil, es ist der erste gute Tag seit langen Zeiten.

 

Seit Mittwoch gibt es zumindest wieder Hoffnung - und nur deswegen, weil staatliche Behörden ihre Arbeit tun. Selbst scheint sich die Fifa nicht helfen zu können. Das hat sie in den vergangenen Jahren zur Genüge bewiesen. Die Frage lautet nun: Wird sich Sepp Blatter der Wahl stellen? Vieles spricht dafür, dass alles beim Alten bleibt. Mag die Empörung besonders in Europa groß sein: Man darf nicht vergessen, die Fifa besteht aus 209 Mitgliedern; den meisten davon sind europäische Befindlichkeiten herzlich egal.

 

Mit dem Finger auf andere zeigen, geht sowieso nur bedingt. Auch die Europäer leisteten Blatter jahrzehntelang treue Gefolgschaft und stimmten meistens für den Schweizer, auch Deutschland. Das sollte diesen Freitag das erste Mal seit der Ära Mayer-Vorfelder anders sein. Die Ermittlungen könnten Blatters Position sogar stärken.

 

Niemand weiß, was die US-Behörden noch ans Tageslicht befördern. Da mag es für das ein oder andere Fifa-Mitglied durchaus Sinn ergeben, Blatter noch einmal zu wählen, um vielleicht noch Zeit für gewisse Aufräumarbeiten zu haben. Auch Blatters Persönlichkeit spricht für eine Wiederwahl. Er wird nicht kampflos aufgeben, was sein Leben seit 40 Jahren bestimmt. In seinem Weltbild ist er nicht nur Sepp Blatter, er ist die Fifa.

 

Er sagte einmal: "Ich liebe Fußball, ich esse Fußball, ich bin Fußball" Aber wenn Blatter den Fußball lieben würde, dann würde er jetzt loslassen. Dann hieße es jetzt: "Blatter is not involved anymore." ots

 

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