Heute lässt sich der Fifa-Pate wieder wählen. Er tut so, als sei nichts passiert. Doch: Sepp Blatter ist das Symbol für die Korruption in der FIFA. Das erstaunlichste an dem Skandal: Warum lassen die Amerikaner den Fifa-Boss unbehelligt? - Und welche Rolle spielt Deutschland in diesem Sumpf eigentlich?
Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International glaubt nicht an Joseph Blatters selbst gewählte Rolle des Saubermannes. Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International hält einen Rücktritt des FIFA-Präsidenten für überfällig.
"Sepp Blatter ist das Symbol für die Korruption in der FIFA", sagte die frühere 800-Meter-Spitzenläuferin im Interview mit dem Bremer "Weser-Kurier" (Freitag-Ausgabe). Der FIFA-Präsident habe "mit Sicherheit" von den Schmiergeldzahlungen an hohe Funktionäre des Weltfußballverbandes gewusst.
Niemand nehme Blatter mehr ab, dass er den Verband in eine bessere Zukunft führen könne, sagte Schenk dem Blatt weiter. Der 79-Jährige Funktionär stellt sich am Freitag auf dem FIFA-Kongress in Zürich zur Wiederwahl. Es wäre Blatters fünfte Amtszeit.
WAZ: Wenn die Dreistigkeit siegt
Dreistigkeit siegt oft im Leben, und genauso dürfte es auch wieder beim Skandal um den Fußball-Weltverband Fifa sein. Die Polizei verhaftet reihenweise Fußball-Funktionäre, die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwälte lassen keine Fragen offen, die Fans in aller Welt schütteln nur noch den Kopf. Doch: Sepp Blatter, umstrittener Präsident der Fifa, will sich am Freitag im Amt bestätigen lassen. Und alle machen mit.
Rheinische Post: Huch, der Fußball ist ja korrupt!
Ist irgendjemand überrascht davon, dass der Fußball-Weltverband jetzt als zutiefst korruptes Gebilde entlarvt wird? Nein. Wusste doch jeder. Nicht nur den Karnevalisten der Stunksitzung, die in der vergangenen Session sangen "Fifa is 'ne Drecksverein", waren die Machenschaften klar.
Bei der Vergabe der prestigeträchtigsten Ereignisse, beim milliardenschweren Geschacher um Fernsehrechte und Sponsorenverträge ging es in den vergangenen Jahrzehnten allenfalls ausnahmsweise mit rechten Dingen zu. Doch erst jetzt, da die Behörden in der Schweiz und in den USA publicityträchtig zugeschlagen haben, ist die Aufregung groß. Huch!
Deutschland hat von den intransparenten Geschäften des globalen Sports häufig profitiert. Wir haben das Sommermärchen 2006 bekommen. Die Frauen-WM 2011 war auch eine nette Veranstaltung. Und am übernächsten Wochenende findet nach dem Münchner "Finale dahoam" 2012 zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit ein Endspiel der Champions League bei uns statt, im Berlin nämlich. Es gibt keine Belege für Korruption rund um diese Ereignisse, aber Deutschland hat in dieser schattigen Welt immer gut abgeschnitten. Vielleicht ist deshalb auch der Widerstand gegen Blatter so halbherzig.



