„Investoren leihen Athen weitere 1,3 Milliarden Euro“ – so zumindest schreibt es heute „Spiegel Online„. Aber warum nennt der Spiegel die Dinge...
Von Claudio Kummerfeld
„Investoren leihen Athen weitere 1,3 Milliarden Euro“ – so zumindest schreibt es heute „Spiegel Online„. Aber warum nennt der Spiegel die Dinge nicht beim Namen? Inzwischen ist längst bekannt und sogar durch Bundesbank-Chef Weidmann offiziell eingestanden, dass zwischen der EZB und Griechenland ein Kreislauf der Staatsfinanzierung etabliert wurde, der über die sogenannten ELA´s läuft.
(Anmerkung: der SPON-Text wurde später verändert, der Begriff "Investoren" wurde entfernt. Doch dass letztlich EZB die Zeche zahlt, wird bei nicht erwähnt.)
Aber von Anfang an. Griechenland hat heute über seine Schuldenagentur 1,3 Milliarden Euro kurzfristige Anleihen („T Bills“) ausgegeben. Gekauft werden diese Schulden von griechischen Banken. Diese wiederum erhalten ihr Geld über die ständig neu aufgestockten ELA´s (Notkredite) der Europäischen Zentralbank.
Spiegel Online schreibt hierzu Zitat:
„Griechenland hat wieder etwas Geld, um die dringlichsten Rechnungen zu bezahlen. Investoren zeichneten dreimonatige Geldmarktpapiere – im Fachjargon T-Bills genannt – für 1,3 Milliarden Euro. Finanziell hat sich Griechenland wieder etwas Luft verschafft. Die Ausgabe von dreimonatigen Geldmarktpapieren – im Fachjargon T-Bills genannt – brachte am Mittwoch 1,3 Milliarden Euro ein. Der Zinssatz pendelte sich bei 2,7 Prozent ein und liegt damit so hoch wie bei der Emission in der vergangenen Woche. Die Auktion war 1,3fach überzeichnet und damit genau so stark wie zuletzt.“
Was alle Marktteilnehmer und Journalisten schon seit Längerem wissen, ist spätestens seit dem Statement von Bundesbank-Chef Weidmann Mitte Mai auch offiziell bekannt. Dem Handelsblatt sagte er damals unzweideutig:
„Der Bundesbank-Präsident kritisierte die wöchentliche Aufstockung der ELA-Kredite für die griechischen Geldhäuser: „Dass Banken ohne Marktzugang Kredite gewährt werden, die damit Anleihen des eigenen Staates finanzieren, der selbst ohne Marktzugang ist, finde ich mit Blick auf das Verbot der monetären Staatsfinanzierung nicht in Ordnung“. Zugleich warnte das EZB-Ratsmitglied vor einer Überbeanspruchung der Notenbank: „Wir sind nicht allmächtig. Mich sorgt die zunehmende Politisierung der Notenbanken genauso wie die immer größeren Erwartungen, die an uns gerichtet werden. Damit droht eine gefährliche Überforderung der Notenbanken. Nicht nur unter dem Aspekt der demokratischen Legitimation, sondern auch weil wir gar nicht in der Lage wären, die Probleme Europas zu lösen.“
Wir finden es schade, dass der Spiegel aus welchen Gründen auch immer es so darstellt, als gäbe es einen freien realen Markt für griechische Staatsanleihen, wo tatsächlich private Investoren griechische Anleihen kaufen. Selbst der verrückteste Hedgefondsmanager der Welt wäre derzeit nicht bereit Griechenland Geld zu leihen. Der einzige Investor, der dies derzeit macht, ist der europäische Steuerzahler, indirekt über die EZB. Kein Wort davon im Spiegel-Artikel. So könnte der geneigte Leser doch glatt denken Banken, Fonds und sonstige Privatinvestoren fassen wieder Vertrauen und finanzieren den griechischen Staat. Aber nein, bitte beachten: dieser Investor sind wir alle in Europa. Mario Draghi überweist für uns nach Athen!
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