Der starke Preisrückgang von Gold deutet auf hohes spekulatives Verkaufsinteresse hin. - Niedrigere Schweizer Goldexporte signalisieren Nachfrageschwäche in Asien. - Russische Zentralbank kaufte im ersten Halbjahr gut 67 Tonnen Gold. - Euro auf erniedrigtem Niveau stabil.
Von Commerzbank Commodtiy Research
Gold hat sich gestern als das schwächste Edelmetall erwiesen und auf Schlusskursbasis 3,3% verloren. Es beendete den Handel unter der psychologisch wichtigen Marke von 1.100 USD je Feinunze, kann dieses Niveau heute Morgen zunächst aber wieder zurückerobern. Der im Vergleich zu den anderen Edelmetallen überdurchschnittlich starke Preisrückgang von Gold deutet auf hohes spekulatives Verkaufsinteresse hin.
Der Preisverfall ist unseres Erachtens mittlerweile klar übertrieben und aus technischer Sicht ist Gold stark in den überverkauften Bereich gerutscht. Die russische Zentralbank hat im Juni gut 24 Tonnen Gold gekauft und damit ihre Goldreserven auf rund 1.275 Tonnen aufgestockt. Nach zuletzt zwei Monaten mit Kaufzurückhaltung hat die Zentralbank das Tempo der Goldkäufe offenbar wieder angezogen. Im ersten Halbjahr hat die russische Zentralbank gut 67 Tonnen Gold gekauft. Sie würde damit auf das Jahr hochgerechnet mehr Gold kaufen als die chinesische Zentralbank.
Abgeschwächt hat sich dagegen die Dynamik der Schweizer Goldexporte. Gemäß Daten der Zollbehörde hat die Schweiz im Juni 98,5 Tonnen Gold ausgeführt, 7,3% weniger als im Vormonat. Lediglich gut die Hälfte der Menge wurde diesmal nach Indien, China und Hongkong verschifft. Im Vormonat waren es noch drei Viertel gewesen. Vor allem die Exporte nach Hongkong fielen dabei deutlich schwächer aus.
Dies deutet auf verhaltene chinesische Importe hin – Daten hierzu werden nächste Woche veröffentlicht. Allerdings hatten die Schweizer Exportdaten schon im Mai eine verhaltene chinesische Nachfrage angedeutet, China dann aber mit hohen Importen überrascht.
Der Euro drohte heute unter die 1,08 zu fallen, konnte sich im Handelsverlauf jedoch wieder etwas erholen. Die Stimmung für die Gemeinschaftswährung bleibt aber negativ.



