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Finanzmärkte: droht ein deflationärer Schock?

Die Situation an den Finanzmärkten wird zunehmend unangenehmer. Junk-Bond Markt implodiert. Panikverkäufte bei Einzelwerten wie VW, Glencore, ArcelorMittal. Seit gestern auch Telekom unter Beschuss. Gold stabil. Geopolitische Unsicherheit in Syrien.

 

Von Michael Mross

An den Aktienmärkten steigt der Angst-Indikator - abzulesen an steigenden Volatilitäten in allen Bereichen. Nachdem es in dieser Woche die Autotitel zerrissen hat, scheinen jetzt auch andere Branchen wie z.B. die Telekom unter Beschuss zu stehen. Es sieht so aus, als wenn die Anleger ihr Geld in Sicherheit bringen und erst mal auf die Verkaufstaste drücken.

 

Insgesamt zeichnet sich eine zunehmende Risiko-Aversion ab - kein gutes Zeichen für die Aktienmärkte. Besonders im Rohstoffsektor droht Ungemach. Nachdem Glencore gestern noch versuchte, die Anleger zu beruhigen, ging es mit dem Rohstoffgiganten am Donnerstag wieder steil bergab. Ausverkaufsstimmung auch bei Thyssenkrupp und ArcelorMittal.

 

Auch am Junk-Bond-Mark geht die Post ab. Die Renditen explodieren, die Kurse fallen. Ebenfalls kein gutes Omen.

 

Die Krise in den Emerging Markets scheint sich weiter zuzuspitzen. Die Währungen der BRICS kollabieren regelrecht. Nicht auszuschließen, dass China den Yuan weiter abwerten wird.

 

Das wirtschaftliche Gesamtbild riecht nach Deflation und Kontraktion - und das, obwohl sich die Weltgeldmenge (und damit die Schulden) seit Ausbruch der ersten Finanzkrise praktisch verdoppelt hat. In der Eurozone und in Deutschland ist nach Aussagen von Draghi und Weidmann in den nächsten Monaten mit einer negativen Preisentwicklung zu rechnen.

 

Draghi sprach vorsichtig von "Disinflation", auch Weidmann wiegelt ab: eine deflationäre Kontraktion sei nicht in Sicht: „Von einer Deflation im Sinne einer destabilisierenden, sich selbst verstärkenden Abwärtsbewegung kann keine Rede sein.“

Ob man das glauben kann, sei dahin gestellt. Eine Zinserhöhung in den USA wird es jedenfalls in absehbarer Zeit erst mal nicht geben.

 

Trotz aller Beschwichtigungen stellt sich in Zukunft die Frage: Was können Notenbanken überhaupt noch tun, um die Wirtschaft anzukurbeln. Es sieht eher danach aus, dass die Zentralbanken drucken können, was sie wollen: die Pferde saufen nicht mehr.

 

Obwohl alle Rohstoffe im Sturzflug sind, kann sich Gold bemerkenswert gut behaupten. Das Edelmetall steigt zwar nicht, aber auch relaitv gleichbleibende Kurse sind in diesem Umfeld ein bemerkenswertes Zeichen: Droht möglicherweise eine Finanzkrise 2.0?  Sollte der Goldpreis in nächster Zeit sogar ansteigen, dann wäre das ein perfektes Alarmsignal.

 

Die unsichere Situation an den Börsen weltweit wird begleitet von geopolitischen Unsicherheiten in Syrien. Hier scheint es zu einem Konflikt zwischen den USA und Russland hinauszulaufen.

 

Während Putin vernünftigerweise Assad stützen will im Kampf gegen die Terroristen des Islamischen Staates, wollen die Amerikaner nicht einsehen, dass ihre Strategie zum Sturz von Assad, nämlich "moderate Rebellen"hochzurüsten, gescheitert ist.

 

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Situation in Syrien eskaliert. Das wäre für die Finanzmärkte dann der Todesstoß.

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