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US-Zinserhöhung: Eine Verzweiflungstat

Ist das nun der große Trendwechsel, der auch an den Bondmärkten zu deutlich höheren Renditen führt und damit die Probleme der Nullzinswelt löst? Mitnichten! US-Konjunkturdaten signalisieren das Gegenteil. US-Wirtschaft auf dem absteigenden Ast.

 

Börsen-Zeitung: Verzweiflungstat, Kommentar zur US-Geldpolitik von Kai Johannsen

Jetzt aber den Fuß aufs Gas und schnell nach Hause, bevor das Benzin alle ist! Genau so kommt einem die gestrige Zinsanhebung der US-Notenbank vor - ein Akt der Verzweiflung: Jetzt bloß noch schnell die Zinsen anheben, bevor die Schwäche der US-Wirtschaft es nicht mehr zulässt.

 

Denn eines ist klar: Der Beginn der nächsten ausgeprägten Schwächephase der US-Wirtschaft liegt näher, als das Ende der vorigen Rezession entfernt ist. Die Fed war geradezu gezwungen, den Leitzins anzuheben, ist ihr doch bewusst, dass sie diesen Schritt nicht mehr vornehmen kann, wenn die Wirtschaft erst mal richtig im Abwärtsmodus ist.

 

Gehen musste sie diesen Schritt aber auch noch aus einem ganz anderen Grund: Sie konnte die Märkte schlichtweg nicht noch mal hinhalten. Zu oft hatte die Fed das nun schon gemacht und damit immer auch die Unsicherheit in den Märkten geschürt. In dieser Hinsicht hat Yellen nun geliefert - getreu der Devise: besser spät als nie.

 

Und wie geht es weiter? Ist das nun der große Trendwechsel, der auch an den Bondmärkten zu deutlich höheren Renditen führt und damit die Probleme der Nullzinswelt löst? Mitnichten! Die US-Konjunkturdaten signalisieren klar, wo die Reise hingeht. Der US-Einkaufsmanagerindex (ISM) fiel im November unter die Marke von 50 Punkten. Damit zeigt das Barometer erstmals seit drei Jahren kein Wachstum mehr an, die US-Wirtschaft ist auf dem absteigenden Ast. Es wurde also höchste Zeit für die Zinsanhebung, die nun auch noch - wenn auch nur sehr wenig - dämpfend wirkt.

 

Hinzu kommt, dass Chinas Wachstumsmotor ganz kräftig stottert. Die Sorge um die Wirtschaft im Reich der Mitte spiegelt sich auch an den Rohstoffmärkten wider. Der Ölpreis und die Notierungen der Industriemetalle etwa sind seit geraumer Zeit kräftig unter Druck. Das bekommt auch die US-Wirtschaft zu spüren, genauso wie den festeren Dollar, mancher rechnet für 2016 mit der Parität, denn die Europäische Zentralbank setzt das Quantitative Easing (QE) in leicht ausgeweiteter Form fort.

 

Das ist nicht gerade das Umfeld, das für schnelle US-Leitzinsanhebungen und Renditesteigerungen am Bondmarkt spricht. Man könnte fast schon meinen, die Fed ist näher an einer Leitzinssenkung als an der nächsten Anhebung. Und wer weiß: Sollte die US-Wirtschaft unter den genannten Faktoren 2016 stärker leiden, als das bis jetzt abzusehen ist, muss die Fed vielleicht doch wieder mit dem Fuß aufs Gaspedal treten, will heißen auf QE-Modus umschwenken. Dafür hat sie sich gestern den ersten kleinen Spielraum verschafft.

 

Anmerkung: Im Zuge der Fed-Aktion gerieten Edelmetalle unter Druck. Gold und besonders Silber mit erheblichen Verlusten. Das verwundert ein wenig, denn die Aussichten, dass die Zinsen in den USA nachhaltig anziehen, sind gering. Es sieht viel mehr danach aus, als wenn eine neue Krise droht - von denen Gold und Silber eigentlich profitieren sollten.

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