In einem offenen Brief wehren sich freie Journalisten des WDR gegen den Vorwurf, politische Vorgaben zu bedienen. Ob es jedoch so was wie eine "Schere im Kopf" gibt, dazu äußerten sie sich nicht. - Es gibt auch internen Widerstand gegen den Brief, so dass der Schuss offenbar nach hinten los geht.
Etliche freie Mitarbeiter beim WDR wehren sich gegen Unterstellungen, es gebe politische Direktiven beim Sender. Ihr offener Brief (s.u.) spricht für sich selbst.
Der "freie Mitarbeiter" bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten ist praktisch ein Tagelöhner, der für Jobs eingesetzt wird, für den sich die festangestellten angeblich zu fein sind, keinen Bock drauf haben oder weil sie "krank" sind.
Claudia Zimmermann, die Schlagzeilen machte indem sie aussagte, dass es sehr wohl politische Vorgaben gebe - besonders in der Flüchtlingspolitik - war ebenfalls "freie Mitarbeiterin". Die Frau zog ihre Aussagen bekanntlich zurück. Kein Wunder, wenn man auf der Schleudersitzposition eines Tagelöhners in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt sitzt und jederzeit gefeuert werden kann.
Journalisten-Prekariat
Gerade bei den freien Mitarbeitern - im Prinzip rechtloses Journalisten-Prekariat - würde man sich niemals trauen, gegen seinen Arbeitgeber vorzugehen, weil man sonst keinen Job mehr kriegt. Der offene Brief der freien WDR-Mitarbeiter verwundert deshalb nicht.
Verwunderlich ist jedoch, dass selbst bei den "Freien" nicht jeder diesen Brief unterschreibt und der Schuss deshalb auch nach hinten losgehen könnte. Einer spricht in den Kommentaren unter dem Brief sogar von Vorgaben der "Wellenleitung".
Geradezu witzig ist, dass der Brief in der Abteilung WDR-Dschungelbuch veröffentlicht wurde, was nicht gerade zur Seriosität des Schreibens beiträgt. Bei einem Sender wie dem WDR gibt es sicherlich noch andere Rubriken, wo man so etwas veröffentlichen könnte.
wdr-dschungelbuch.de
Handbuch für Freie MitarbeiterInnen
Hier der Brief:
„Wir bekommen keine politischen Vorgaben!
Wir, freiberufliche Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks, distanzieren uns ausdrücklich von der aktuell öffentlich diskutierten Behauptung, es gäbe im WDR Vorgaben oder Anweisungen für eine politisch ausgerichtete Berichterstattung.
Niemand schreibt uns einen einseitigen oder parteipolitischen Inhalt vor. Politisch im freiheitlich-demokratischen Sinne, der sich im WDR-Gesetz ausdrückt, sind wir allerdings. Dort steht zum Beispiel unter Art.4.:
„Der WDR soll die internationale Verständigung, die europäische Integration, den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ein diskriminierungsfreies Miteinander in Bund und Ländern und die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern fördern, zum Frieden und zur sozialen Gerechtigkeit mahnen, die demokratischen Freiheiten verteidigen und der Wahrheit verpflichtet sein.“
Die meisten Beiträge im Fernsehen und Hörfunk erstellen wir Freie. Und wir werden weder vom Rundfunkrat, noch von „Kommissionen“, Regierungsstellen oder von Redaktionen dazu angehalten, in unseren Berichten einer bestimmten Richtung zu folgen. Themen werden in den Redaktionen kontrovers diskutiert, so wie es sich für eine Demokratie und einen demokratisch kontrollierten Sender gehört. Dazu zählen auch Gestaltungsfragen wie Dreh, Schnitt usw…, denn die Erstellung eines Radio- oder Fernsehbeitrags ist immer auch Teamarbeit. Niemand gibt uns aber politische Inhalte vor.
Dagegen würden wir uns – im Falle eines Falles – auch energisch wehren. Denn sonst wäre die Neutralität des Öffentlich-Rechtlichen im oben genannten Sinne nicht mehr gewährleistet. Und daran wollen wir nicht beteiligt sein!
Wir haben andere Probleme!
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk leidet viel mehr unter einem ganz anderen Druck: dem Diktat des Sparzwangs! Die Folgen bereiten uns in der Tat große Sorgen: immer weniger Geld für guten, unabhängigen und investigativen Journalismus. Den möchten wir unbedingt erhalten. Deshalb arbeiten wir für den WDR.
Wir haben noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und lassen uns durch politische Einflussversuche nicht gängeln! Die wahren Feinde der Pressefreiheit sind diejenigen, die Kritik an ihren Positionen nicht gelten lassen wollen und sich nur allzu sehr freuen würden, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk abgeschafft würde.
Unser Appell lautet deshalb: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss gestärkt werden. Er ist ein Gegenpol zu einer einseitigen, populistischen Berichterstattung. Und das sollte auch so bleiben.“
Protest gegen den Brief: „Halbwahrheit“ - Es gibt Themen, die von der "Wellenleitung" gewollt sind
Ursprünglich wollten die Initiatoren des Offenen Briefs diesen im Namen aller WDR-Freien an die Öffentlichkeit richten. Doch dann regte sich Protest dagegen.
Warum solle man den „geliebten Sendern so einen weitgehenden Persilschein ausstellen“, fragte einer in den Kommentaren. „Und natürlich gibt es Themen, die z.B. von der Wellenleitung gewollt sind, dass wir darüber berichten (man kann sagen, das ist eine normale redaktionelle Entscheidung der Wellenleitung, man kann bei manchen Themen aber auch sagen, dass das eine politische Vorgabe für die Redaktion ist, oder?)“
Ein anderer schrieb: „Was wissen wir denn, was täglich beschlossen, befördert oder verhindert wird? Warum sollen wir behaupten, ‚eine Zensur findet nicht statt’, wenn wir es nicht wissen oder wenn wir Anzeichen für das Gegenteil haben? Ich halte die Erklärung für falsch und unterschreibe sie nicht.“ Der Offene Brief ist „eine Halbwahrheit“.



