Der hohe Ölpreis hat vielen Ländern üppige Einkünfte beschert - bezahlt an der Tanke. Doch mit diesem Vermögenstransfer ist jetzt Schluss. Folge: Viele Öl-Ölstaaten stehen vor der Pleite. Das beunruhigt den IWF.
Der fallende Ölpreis beunruhigt den Internationalen Währungsfonds: Der Einbruch an den Rohstoffmärkten werde für viele Firmen in Schwellenländern zum Existenzproblem, sagte José Viñals, Kapitalmarkt-Direktor und finanzpolitischer Berater von IWF-Chefin Christine Lagarde, dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe).
„In Schwellenländern haben sich viele Unternehmen durch niedrige Zinsen, hohe Rohstoffpreise und relativ gute Wachstumsaussichten dazu verleiteten lassen, eine Menge Kredite aufzunehmen“, erklärte er. Die Schulden müssten nun weiter bedient werden, obwohl sich das Umfeld verfinstere. Daher prophezeit Viñals: „Wir werden Pleiten erleben.“ Die Folgen würden auch die Industrienationen spüren, ihnen brächen Absatzmärkte weg.
Die Europäer fordert Viñals auf, die Bankenunion voranzutreiben und entschlossener als bisher das Problem der faulen! Kredite anzugehen. Die deutsche Flüchtlingspolitik betrachtet er als potenziellen Wachstumstreiber: „Zusätzliche Ausgaben unterstützen die Nachfrage zumindest kurzfristig. Und wenn die Flüchtlinge gut in den Arbeitsmarkt integriert werden, wird das dem Wachstum auch mittelfristig helfen.“ Darüber hinaus sollte man die Frage stellen, ob Deutschland nicht ambitioniertere Infrastrukturmaßnahmen bräuchte.
Dass die jüngsten Marktturbulenzen eine neue Weltfinanzkrise ankündigen, wie es etwa Starinvestor George Soros befürchtet, glaubt Viñals nicht. „Trotz der genannten Probleme sagen wir voraus, dass die Weltwirtschaft dieses und nächstes Jahr schneller wachsen wird, als im Jahr 2015 – wenn auch etwas langsamer als ursprünglich angenommen.



