In Syrien kondensiert eine Gemengelage, die zu einem Weltkrieg eskalieren könnte: Türkei gegen Kurden und Assad, Russland gegen ISIS. Die Verbündeten könnten den Beteiligten blind folgen. Am Ende steht: der Westen gegen Russland.
Nach der Sicherheitskonferenz in München wurde klar, dass niemand ein großes Interesse an einem Frieden in Syrien zu haben scheint. Nun eskaliert die Lage zusehends, weil die Türkei nach den Terroranschlägen dazu übergegangen ist, Kurden auf syrischem Gebiet zu bombardieren. Es besteht die Gefahr, dass die Lage außer Kontrolle gerät.
Fronten verhärten sich
Die Fronten: Russland und der schiitische Iran auf der einen Seite, die sich klar zu einem Syrien mit Assad bekennen und sämtliche ausländischen Islamisten und einheimische Oppositionelle als Putschisten und Terroristen bezeichnen. Die andere Seite: Saudi-Arabien und die Türkei, die unbedingt Assad (wohl auch unter Mithilfe des Islamischen Staat, den sie heimlich unterstützen, obwohl man ihn offiziell angeblich „bekämpft“) stürzen wollen. Beide Fronten stehen sich in ihren Zielen und Forderungen unversöhnlich gegenüber.
Man kann nur hoffen, dass sich Deutschland und die NATO von der Türkei hier nicht in einen Bündnisfall ziehen lassen. Es wäre eine Horrorvorstellung, dass Deutschland in einem Nato-Bündnis erneut gegen Russland in den Krieg gezogen wird.
Dabei dürfte es jedem in Berlin bekannt sein, dass es das Ziel der US- Außenpolitik ist, eine Annäherung Deutschland bzw. der EU an Russland zu verhindern. So ein erneuter Krieg wäre das perfekte Mittel. Wann wird Deutschland bzw. die EU endlich aufwachen?
Wie könnte es zum dritten Weltkrieg eskalieren?
In den vergangen Tagen haben die Türken erneut die Kurden, welche als einzige mit Bodentruppen wirksam gegen den IS kämpfen, mit Artillerie beschossen. Sollte Russland den Kurden militärische Unterstützung zukommen lassen oder die Türkei gar mit Bodentruppen von der Türkei aus in Syrien eingreifen, dann ist eine Konfrontation mit Russland beinahe kaum noch zu vermeiden.
Wird die Türkei dann den Bündnisfall ausrufen und die NATO um Hilfe bitten?
Noch schlimmer wären wohl (sunnitische) Saudische Bodentruppen, die ein massives Eingreifen der schiitischen Iraner (wohl ebenfalls mit Bodentruppen) nach sich ziehen könnten.
Auf welche Seite sich die USA stellen würden, wurde in München auch deutlich. Man sieht inzwischen in Syrien in Russland den Feind! Und nicht etwa im islamistischen Terrorregime des IS.
Kein Wunder: Selbst die größte Anti-IS-Propaganda kann ein neutraler Beobachter nicht mehr ernst nehmen. Es ist völlig klar, dass die Amerikaner mit den Saudis und Türken den IS erst groß gemacht und lange unterstützt haben.
Von einer effektiven Bekämpfung war von dieser Seite weit und breit nichts zu merken. Jetzt, wo die Russen den IS effektiv bekämpfen, werden die antirussischen Reflexe in den USA lauter. Dies sagt eigentlich alles, wer wirklich hinter dem IS steht!
Würde es wirklich darum gehen, den IS auszuschalten und völlig neutral über die Zukunft Syriens zu verhandeln (mit offenem Ausgang), dann würde es ein Leichtes sein, alle an einen Tisch zu holen. So aber muss man auf eine Eskalation gefasst sein, die unsere Befürchtung aus der Sonderstudie von Anfang 2015 vom „dritten Weltkrieg“ wahr werden lassen könnte. www.sicheres-vermoegen.de
STRATFOR Chef legt die Außenpolitik der USA offen - Ukraine, Russland, Deutschland, Nahost:



