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Die schöne neue Welt der Negativzinsen

Negativzinsen sind ein historisch einmaliges Experiment mit offenem Ausgang und stellen eine neue Form der finanziellen Repression dar. - Das billige "Geld" führt zu merkwürdigen Auswüchsen am Finanzmarkt.

 

Von Sascha Opel

Negativzinsen sind ein historisch einmaliges Experiment mit offenem Ausgang und stellen eine neue Form der finanziellen Repression dar. Wie Bert Rürup im Handelsblatt jüngst richtig schrieb, sind diese in einer Ahnenreihe mit den Münzfälschungen des Mittelalters oder den Inflationierungen durch Gelddrucken der Notenbanken zu sehen.

 

Es ist der verzweifelte Versuch, die umgreifenden deflationären Kräfte zu bekämpfen. Deflation ist für den Staat schlecht, da dessen Schulden dann aufgewertet werden. Der Staat will das Gegenteil: seine Schulden sollen durch Inflation entwertet werden. Klappt die Inflationierung nicht, drohen Staatspleiten und/oder erhebliche Steuererhöhungen und/oder Vermögensabgaben.

 

Vorher dürfte diese Geldpolitik jedoch zu weiteren Blasen in diversen Assetklassen führen. Anleihen, Aktien, Immobilien, Gold. Aber auch in Nischenmärkten wie der Kunst, bei Oldtimern, Wein oder anderen, nicht beliebig reproduzierbaren Geldersatzmärkten werden Blasen entstehen, die jedoch keine Systemrelevanz haben. Nur, stehen wir noch am Anfang dieser Blasenbildungen, oder sind einige bereits am Platzen?

 

Anleihen: Firmen, die besser kein Geld bekommen sollten, bekommen Geld, Firmen, die kein Geld brauchen, nehmen es trotzdem!

 

Früher dachte man: Tiefer als Null kann die Rendite bei Anleihen nicht sinken und ergo die Kurse nicht steigen. Falsch gedacht! Heute notieren Bundesanleihen bis 8 Jahren Laufzeit im negativen Terrain. Im Bloomberg Global Sovereign Bond Index sind 30% der Anleihen inzwischen im negativen Renditebereich. Global betrifft dies Anleihen im Gegenwert von circa 7 Billionen USD Nominalwert.

 

Hätte uns vor 5 oder 10 Jahren jemand erzählt, dass Investoren bereit sind, in großem Stil Anleihen weiter zu halten, die auf mehrere Jahre eine negative Rendite abwerfen, wir hätten ihn für verrückt erklärt!

 

Klar ist auch: Ohne die künstlichen Null– oder Negativzinsen der Zentralbanken und die massiven Gelddruckmaßnahmen wäre die Anleiheblase längst geplatzt. Die Wahrheit der Kurse sahen wir, als 2010 die Renditen der PIIGS-Länder (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) plötzlich ein Eigenleben begannen und die Renditen in die Höhe schossen bzw. die Kurse kollabierten. Ohne Eingreifen der EZB wären diese Länder damals aus dem Eurosystem katapultiert worden.

 

Der Anlagenotstand der Großinvestoren am Anleihenmarkt trieb diese auf der Suche nach höheren Renditen in den Corporate Bond-, den Emerging Market Bond– und den High Yield/Junk-Bond-Sektor.

 

Länder und Gesellschaften, die in einem normalen Zinsumfeld kaum Geld bekommen hätten, bekamen nun das Geld hinterhergeworfen. Auch hier entstanden Blasen und Fehlinvestitionen, die nun platzen. Am offensichtlichsten im US-Fracking-Bereich. Beim aktuellen Ölpreis dürften so gut wie alle US-Schiefergas­förderer in 2016/17 vor der Pleite stehen.

 

Es drohen Anleiheausfälle in Höhe von 300 Milliarden USD, welche in den letzten Jahren platziert wurden. Inklusive Bankkredite und weiteren Investments im Frackingsektor könnten die Ausfälle auch an die 1 Billion USD heranreichen.

 

Solvente Unternehmen dagegen können sich so günstig verschulden wie noch nie. Gesellschaften wie Nestle haben schon Bonds mit Nullrenditen platzieren können. Dies führt zu folgender Konstellation: Anstatt die Schulden in diesem Umfeld zu tilgen, nehmen viele Blue Chips die günstigen Bedingungen am Anleihemarkt mit und kaufen lieber eigene Aktien zurück.

 

Sprich: Auf der einen Seite bekommen viele Firmen Geld, welche es besser nicht bekommen hätten, da ihre Geschäftsmodell defizitär sind. Auf der anderen Seite nehmen viele gesunde Firmen das billige Geld, welche es gar nicht benötigen, um Aktien zurückzukaufen. Eine logische Folge dieser Entwicklung: die Unternehmensgewinne treten den Rückzug an. Denn die Marktbereinigung bleibt aus, solange auch die kranken Firmen mit durchgeschleppt werden.

www.sicheres-vermoegen.de

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