Man darf gespannt sein, wie das ab Montag stattfindende EU-Treffen ausgehen wird. So gut wie ausgeschlossen werden kann, dass es der Bundekanzlerin gelingt, die nur noch in Sonntagsreden fortlebende europäische Solidarität durchzusetzen.
Von Axel Retz
Seien wir freundlich und nennen wir es „unlogisch“, auch wenn es einen ganz anderen Namen verdient hätte: Gebetsmühlenartig wiederholen die Kanzlerin und ihre zahlreichen, hochdotierten Echos, dass nationale Alleingänge die Flüchtlingsproblematik nicht lösen und schädlich für Europa sind. Nur:
Was war denn bzw. auch wer ist denn die Mutter aller nationalen Alleingänge in Europa? Die Kanzlerin. Es ist schon starker Tobak, wenn ausgerechnet sie jetzt vor Alleingängen warnt und die europäische Solidarität beschwört.
Und es grenzt an Zynismus, wenn sie nun wissen lässt, dass es in Griechenland auch genügend Übernachtungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten gebe. Und Europa versteht das nur zu gut. Sollen die Menschen, die Merkel rief, doch bitte ab jetzt vor anderen Grenzen als den deutschen leiden und ggf. krepieren. Denn bei uns gibt es schließlich in einer Woche drei Landtagswahlen.
Und Griechenland ist eh platt, also was soll‘s? Griechenland, ich hatte es ja in der letzten Woche gemutmaßt, ist zum „Abschuss freigegeben“. Und wirken die von der griechisch-mazedonischen Grenze um die Welt gehenden Bilder auf die nachdrängenden Menschenmassen nicht abschreckend genug, dann kann man sich an den Fingern einer Hand abzählen, dass es in Griechenland bald keine „Hotspots“ mehr geben muss - weil dann das ganze Land ein einziger Hotspot werden wird!
Man darf gespannt sein, wie das ab Montag stattfindende EU-Treffen ausgehen wird. So gut wie ausgeschlossen werden kann, dass es der Bundekanzlerin gelingt, die nur noch in Sonntagsreden fortlebende europäische Solidarität durchzusetzen. Immer noch sind von den 160.000 Migranten in Griechenland und Italien, deren Verteilung auf EU-Staaten im September beschlossen werden war, erst gut 0,3 Prozent tatsächlich weitergeleitet worden - und seit September hat sich die Front gegen den deutschen Alleingang noch massiv verstärkt.
Dass (auch hier dürften die Landtagswahlen eine ausschlaggebende Rolle spielen) ausgerechnet die Kanzlerin jetzt auf CSU- bzw. AfD-Kurs einschwenkt und betont, dass es für Asylsuchende kein Recht gebe, sich ein Asylland auszusuchen, erinnert an das sprichwörtliche Pfeifen im Walde. Die Wirkung der vollmundigen Einladung der Kanzlerin nach Deutschland und erst recht ihrer unseligen „Selfies“ sind Geister, die sich nicht mehr zurück in die Flasche bringen lassen werden. Germany, Allemagne - dorthin wollen die Menschen!
Am Montag werden die Weichen gestellt: Entweder Griechenland geht in einem unheilvollen Tohuwabohu unter oder die Türkei und Griechenland werden zum großen Internierungslager. Noch wahrscheinlicher: Die Migrantenströme suchen sich neue Wege, beispielsweise über Albanien oder Italien.



