Die Marktreaktion zeigt, dass die Geldpolitik der EZB ihren Zauber langsam verliert. Dem Drogensüchtigen wird die Dosis zu schwach, oder er merkt, dass auch eine Erhöhung der Dosis nicht mehr die erhoffte Glückseligkeit erzeugt.
In der letzten Woche zeigten wir auf, warum Mario Draghi am 10. März eigentlich fast nur enttäuschen konnte. Dabei landeten wir mit unserem kurzfristigen Ausblick beinahe eine Punktlandung. Wir schrieben:
Nachdem die Zone um 9.600 (unser Mindestziel dieser Erholungsbewegung) genommen wurde, ist der Weg nach oben zunächst technisch frei. (…) Allerdings sehen wir bei einer bis zum 10. März fortgesetzten Aufwärtsbewegung eine erhebliche Enttäuschungsgefahr, die wir eingangs beschrieben haben. Daher unser konkreter Rat: Alle Trading– und langfristigen DAX-Positionen und Blue Chips vorerst halten. Sollte der DAX in der kommenden Woche vor der EZB-Sitzung in Richtung 10.000 anziehen, empfehlen wir vor der Sitzung erste Absicherungsmaßnahmen!
Der DAX erreichte gestern zwar erst kurz nach der Zinsentscheidung fast genau die 10.000er Marke, stürzte danach aber um 500 Punkte nach unten. Die Märkte sind nach der gestrigen Zinsentscheidung nervös, man misstraut zunehmend den verzweifelt wirkenden EZB-Maßnahmen.
Zugegeben, wir haben uns auch getäuscht. Denn: Mario Draghi enttäuschte die Märkte mit dem gestrigen Entscheid sicher nicht. Eine Senkung von 0,05% auf nun 0,00% beim Leitzins war nicht erwartet worden. Wohl aber die Ausweitung des Gelddruckens (Anleiheaufkaufprogramms) von 60 auf 80 Mrd. Euro monatlich und die beschlossene Senkung des Einlagenzinses für Banken von –0,3% auf nunmehr –0,4%.
ABER: die Marktreaktion zeigt, dass die Geldpolitik der EZB ihren Zauber langsam verliert. Dem Drogensüchtigen wird die Dosis zu schwach, oder er merkt, dass auch eine Erhöhung der Dosis nicht mehr die erhoffte Glückseligkeit erzeugt.
Deshalb wird zurecht die Frage in den Raum gestellt: Was bewirkt diese letzte Senkung auf 0% noch? Und wie weit soll der Einlagenzins der Banken noch ins Negative gedrückt werden, wenn schon die aktuellen Minuszinsen keine inflationäre Wirkung entfalten?
Was passiert, ist absehbar: Diverse neue Blasen an den Finanzmärkten entstehen. (Geld)Sparer werden dagegen schleichend enteignet. Die Kunst wird es in den nächsten Jahren sein, diese Blasen entweder Gewinnbringend mitzureiten. Wer nichts unternimmt, wird mit Cash auf dem Konto schleichend enteignet.



