Bundesbank-Vorstand Dombret fürchtet Minuszinsen für Privatkunden. Steigende Wahrscheinlichkeit für Negativzinsen. Erste Anzeichen für Immobilienblase.
Die Deutsche Bundesbank erwartet, dass Bankkunden über höhere Gebühren und Negativzinsen stärker belastet werden. „Wir sehen, dass viele Institute ihre Gebühren bereits erhöht haben oder über solche Erhöhungen nachdenken“, sagte der für Banken- und Finanzaufsicht zuständige Vorstand Andreas Dombret SPIEGEL ONLINE. „Das kann Bargeldabhebungen betreffen, Scheckkartenausstellungen oder andere Dienstleistungen.“
Auch Negativzinsen auf die Konten von Privatkunden hält Dombret für möglich. „Die Banken und Sparkassen, mit denen ich spreche, wollen eigentlich alles tun, um das zu vermeiden“, sagte der Notenbanker. „Aber je länger das gegenwärtige Zinsumfeld Bestand hat, desto höher steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass man die Negativzinsen vielleicht doch weitergeben muss.“ Die Aufsicht mache den Banken und Sparkassen da keine Vorschriften.
Dombret sieht zudem erste Anzeichen für eine Spekulationsblase am deutschen Immobilienmarkt. „Die Preise für Wohnimmobilien sind in den vergangenen Jahren in den Metropolen und Metropolregionen deutlich gestiegen“, sagte er. Zwar legten die Banken bei der Kreditvergabe weiterhin konservative Kriterien an, das Kreditvolumen sei 2015 allerdings so stark gewachsen wie seit 13 Jahren nicht mehr. „Deshalb habe ich heute mehr Bedenken als in den vergangenen Jahren“, sagte Dombret. „Als Aufsicht werden wir sehr genau beobachten, ob sich dieser Anstieg fortsetzt.“
Dombret warnte, Banken und Sparkassen in Deutschland müssten „angesichts des jetzigen Marktes sehr vorsichtig sein und ihre Immobilienkreditentscheidungen besonders gut abwägen“.



