Einigung auf Produktionsobergrenzen scheitert an Saudi-Arabien. Erwarteter Rückzug der spekulativen Finanzanleger dürfte Ölpreise weiter unter Druck setzen. Korrekturpotenzial bei Gold und Silber nach starkem Anstieg der spekulativen Netto-Long-Positionen.
Von Commerzbank Commodity Research
Die Ölpreise starten mit kräftigen Abschlägen in die neue Handelswoche, nachdem das Treffen der Ölproduzenten gestern in Doha ohne eine Einigung zu Ende gegangen ist. Brent öffnete mit einem Minus von 7% bei 40 USD je Barrel, WTI gab ähnlich stark auf 37,6 USD je Barrel nach. Von diesen Tiefständen haben sich die Preise inzwischen etwas erholt.
Das gestrige Treffen in Doha endete in einem Fiasko. Eine Einigung auf Produktionsobergrenzen, welche am Vortag noch möglich schien, scheiterte an Saudi-Arabien. Dieses forderte, dass alle Ölproduzenten, also auch der Iran, einbezogen werden sollten. Der Iran hatte auf eine Teilnahme am gestrigen Treffen in Doha verzichtet.
Er hatte bereits im Vorfeld mehrmals deutlich gemacht, seine Ölproduktion weiter zu erhöhen, bis das Förderniveau von vor dem Inkrafttreten der Sanktionen wieder erreicht ist. Die Ölproduktion freiwillig auf dem noch durch die Sanktionen bedingt niedrigen Niveau zu belassen, ist aus Sicht des Iran vollkommen inakzeptabel.
Saudi-Arabien musste dies eigentlich klar gewesen sein, als es diese Forderung erhob. Saudi-Arabien hat somit eine Einigung bewusst torpediert und ein Scheitern billigend in Kauf genommen. Die Glaubwürdigkeit der Ölproduzenten im Allgemeinen und der OPEC im Speziellen hat dadurch schweren Schaden genommen.
Spekulative Finanzanleger, welche im Vorfeld des Treffens auf eine Einigung gesetzt und den Preis damit nach oben getrieben hatten, dürften nun ihre Positionen auflösen und die Ölpreise weiter unter Druck setzen. Ein Streik der Ölarbeiter in Kuwait könnte den Preisverfall vorerst bremsen, denn dadurch stehen dem Markt vorübergehend 2 Mio. Barrel Rohöl pro Tag weniger zur Verfügung.
Edelmetalle:
Gold notiert zum Start in die neue Handelswoche leicht fester bei rund 1.235 USD je Feinunze und profitiert dabei von der höheren Risikoaversion der Marktteilnehmer im Nachgang des gescheiterten Treffens der Ölproduzenten in Doha (siehe Energie).
In Euro gerechnet handelt Gold bei 1.095 EUR je Feinunze. Unterstützung erhält Gold auch von neuerlichen Zuflüssen in die Gold-ETFs. Deren Bestände wurden am Freitag um 5,3 Tonnen aufgestockt. In den USA sprechen niedrige Inflationserwartungen gegen eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank Fed.
Laut Fed Fund Futures erwartet der Markt einen Zinsschritt bis Jahresmitte nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 14%. Bis Jahresende ist eine Zinserhöhung auch nur zu gut 50% eingepreist. Entsprechend hoch ist das Überraschungspotenzial, falls die Fed doch wie von uns erwartet die Zinsen in diesem Jahr anhebt.
In dieser Woche steht jedoch erstmal die Sitzung der EZB am Donnerstag im Mittelpunkt des Interesses. Wie die CFTC-Statistik zeigt, war der zwischenzeitliche Preisanstieg von Gold auf ein 3½-Wochenhoch stark spekulativ getrieben. Denn in der Woche zum 12. April wurden die Netto-Long-Positionen bei Gold auf 170,6 Tsd. Kontrakte ausgeweitet. Dies entspricht dem höchsten Stand seit Februar 2012.
Nach einem Aufbau der Netto-Long-Positionen bei Silber um 30% auf 56 Tsd. Kontrakte liegen diese sogar auf einem Rekordhoch. Von dieser Seite her besteht unseres Erachtens sowohl bei Gold als auch bei Silber Korrekturpotenzial.



