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Für Gold ist es nie zu spät

Warum stocken Großmächte wie China oder Russland ihre Goldreserven massiv auf und warum halten Staaten u.a. USA und Deutschland über 70% ihrer Währungsreserven in Gold, wenn Edelmetalle doch so nutzlos sind?

 

Von Rolf Ehlhardt

Kaum eine Investmentklasse wird so konträr diskutiert wie die Edelmetalle. Die „Goldgläubigen“ sehen den Kurs schon bei $ 10.000, die andere Seite prognostizieren Kurse teilweise weit unter $ 1.000. Die einen entschuldigen den noch niederen Kurs mit „Manipulation“, die anderen argumentieren mit teils falschen Argumenten, wie z.B. „Gold zahlt keine Zinsen“. 

 

Dies ist zwar grundsätzlich richtig, hatte aber in den letzten 3.000 Jahren auch keinen Einfluss auf den Goldpreis. Seit 1971 nicht, bei einem Kurs von $ 250 nicht, aber auch nicht bei $ 1.920. Paul Volcker nannte Gold das Fieberthermometer des Finanzsystems. Damit kommen wir der Wahrheit schon näher.

 

Edelmetalle als Seismograph der Angst der Anleger. Warum stocken Großmächte wie China oder Russland ihre Goldreserven massiv auf und warum halten Staaten u.a. USA und Deutschland über 70% ihrer Währungsreserven in Gold, wenn Edelmetalle doch so nutzlos sind?

 

Dabei ist die Einschätzung der Preise für Gold und Silber mit Blick auf die Vergangenheit relativ einfach. Immer, wenn Krisen eskalierten, sind sie gestiegen, hatten Anleger das Gefühl der Sicherheit, sind sie gefallen. Der Investor muss sich jetzt nur noch die Frage beantworten: Wird das Finanzsystem sicherer oder brechen eher Probleme aus.

 

Für Realisten ist die Anzahl der Damoklesschwerter erschreckend hoch: Geopolitische Spannungen, Währungskrieg, Ölpreiskrieg, Flüchtlingsprobleme. Aber auch ausufernde Schuldenberge, Gefahr von zahlungsunfähigen Staaten, Minuszinsen, Problemkredite, Derivaterisiken, Bankenproblematik, ……. . Das sinnlose Gelddrucken könnte die Inflation kräftig anspringen lassen. Mit Zinserhöhungen wird man sie nicht mehr bekämpfen können.

 

Die Dynamisierung nicht gelöster Krisenherde können durch Maßnahmen der Politik und der Notenbanken zeitlich verzögert werden. Daher ist es müßig über das Timing zu spekulieren. Ebenso, welche Krise als erstes ausbricht. Fakt aus der Vergangenheit: Wer bei Ausbruch der Krise nicht investiert war, hat einen Großteil des Aufschwungs verpasst. 

 

Andererseits, wer darauf spekuliert, dass der Preis nach seinem Kauf sofort steigt, dem reißt der Geduldsfaden oft zum falschen Zeitpunkt. Nicht der Kauf von Edelmetallen wird belohnt, nur das Durchhalten. Kostolany würde sagen: Kaufen und schlafen gehen. Oder: Pessimisten kaufen Konserven, Optimisten Edelmetalle.

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