Die Deutsche Bank sieht Finanzkreisen zufolge auch nach der Teilverstaatlichung der Commerzbank keinen Bedarf für Staatshilfen. "Das Institut ist weiter zuversichtlich, ohne Staatsgeld durch die Krise zu kommen", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.
An dieser Linie der größten deutschen Bank habe sich nichts geändert. Bankchef Josef Ackermann hatte jüngst wiederholt eine Nutzung des fast 500 Milliarden Euro schweren Rettungspakets des Bundes ausgeschlossen.
Kritik lösten seine Äußerungen aus, dass er sich schämen würde, wenn seine Bank Steuergelder bräuchte.
Die Deutsche Bank prüfe am Markt weiter, ob es zu Wettbewerbsverzerrungen komme, sagte die eingeweihte Person. Bislang spiele dies aber keine Rolle. Zum einen habe die Deutsche Bank keinen unmittelbaren Refinanzierungsbedarf. Zudem kämen auch die Preise für nicht staatlich garantierte Bonds allmählich wieder herunter.
Darüber hinaus setze die Bank darauf, dass sie von einem möglichen Imageverlust für die auf Staatshilfe angewiesenen Institute profitiere. Die Bank lehnte einen Kommentar zu den Reuters-Informationen ab.
In Börsenkreisen zwischen New York und Tokio kursiert schon lange das Gerücht über eine bevorstehende Gewinnwarnung bei der Deutschen Bank. Falls sie komme, so munkelt man, würde dies allerdings kaum jemand überraschen. Zu den üblichen Gerüchten über mögliche Megaverluste gesellten sich zum Wochenschluss Hinweise, dass die Deutsche riesige Schieflagen im Eigenhandel habe, sowie Spekulationen über herbe Verluste und Milliardenabschreibungen im Schlussquartal 2008.
"Das vierte Quartal war für die ganze Branche schrecklich", sagte ein Banker. Diesem Trend habe sich auch die Deutsche Bank nicht entziehen können. Inwiefern die Belastungen aber auch die Kapitaldecke weiter angeknabbert haben, wird sich zeigen. Denn die Bank baut seit einiger Zeit massiv Risikopositionen ab, was der Kapitalausstattung hilft.
Die Bücher der Deutschen Bank sind eine streng gehütetes Geheimnis. Es gibt jedoch Spekulationen, dass das gesamteOTC-Derivatevolumen der Bank im März 2008 45 Billionen Euro betrug. Das sei fast das 19-fache des nominalen deutschen Bruttoinlandsprodukt mit nominalen 2,4 Billionen Euro.



