Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat deutschen Medien im Zuge der Finanzkrise einseitige Berichterstattung vorgeworfen: „Die Krise ist ein Schmiermittel der Mediengesellschaft“, sagte er gegenüber Euro am Sonntag.
Seit Wochen würden deshalb „gute Wirtschaftsmeldungen zugunsten schlechter unterdrückt.“Indirekt appellierte er erneut an andere Wirtschaftsinstitute, sich mit Prognosen zurückzuhalten. „Prognosen haben das Ziel, Verhalten und Stimmungen zu beeinflussen. In Zeiten erheblicher Unsicherheit werden sie überzeichnet und verstärken die Rezession in problematischer Weise", sagte er der Wirtschaftszeitung.
Erst Mitte Dezember hatte Zimmermann andere Institute zu einem Prognosestopp aufgefordert. Führende Volkswirte wiesen diese Forderung nun entschieden zurück: „Jetzt Wirtschaftsprognosen einzustellen, käme dem Versuch gleich, einem an Lungenentzündung Erkrankten Linderung zu verschaffen, indem man ihm das Fieberthermometer wegnimmt“, konterte Christoph Schmidt, Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen und warnte: „Würden sich die seriösen Prognostiker darauf verständigen, keine Vorhersagen zu machen, würde der Markt von den unseriösen beherrscht.“
Auch Thomas Straubhaar, Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWA) verteidigte gegenüber Euro am Sonntag ebenfalls Konjunktur-Vorhersagen. „Soll man auf Wetterprognosen verzichten, weil man Rasanz, Dimension und Gewalt von Schneestürmen, Orkanwinden und Gewittern schlecht einschätzen kann?“ Das Gebot der Stunde sei nicht ein Verzicht auf Prognosen, sondern „neue und bessere Prognoseverfahren“.
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