Gold von vielen Seiten unter Druck: US-Zinserhöhung, starker Dollar, ETF-Verkäufe. - 50% der Marktteinehmer erwarten eine Zinserhöhung im Juni.
Von Commerzbank Commodity Research
Gold hat gestern 1,8% bzw. mehr als 20 USD verloren und fällt heute Morgen auf ein 7-Wochentief von gut 1.220 USD je Feinunze. In Euro gerechnet rutscht Gold erstmals seit Ende April wieder unter die Marke von 1.100 EUR je Feinunze.
Für den starken Preisrückgang sind mehrere Faktoren verantwortlich. So sind die Zinserhöhungserwartungen in den USA nach Reden bzw. Aussagen verschiedener Fed-Mitglieder sowie positiver Daten zum US-Immobilienmarkt weiter gestiegen, was sich auch in einem deutlicher aufwertenden US-Dollar und in höheren Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen widerspiegelte.
Laut den jüngsten Umfragen sinkt zudem die Wahrscheinlichkeit für einen Brexit. Gestern hatten sich außerdem die Finanzminister der EU mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf weitere Finanzhilfen für Griechenland geeinigt. Damit droht dort zunächst wohl keine Staatspleite.
Mit 3,9 Tonnen gab es gestern darüber hinaus bei den Gold-ETFs den ersten Tagesabfluss seit gut einer Woche, welcher zugleich der höchste seit Anfang April war. Die spekulativen Finanzinvestoren dürften sich ebenfalls zurückziehen, nachdem sie bis vor einer Woche noch nahezu rekordhohe Netto-Long-Positionen hielten.
Die Dynamik der Abwärtsbewegung und die Nähe zur psychologisch wichtigen Marke von 1.200 USD je Feinunze machen unseres Erachtens einen Test dieses Niveaus schon in Kürze wahrscheinlich. Wir erwarten jedoch keinen nachhaltigen Rückgang unter diese Marke, da ein derartiges Preisniveau wohl als attraktive Kaufgelegenheiten erachtet werden dürfte.



