Stan Druckenmiller: In den vergangenen acht Jahren wuchs die U.S. Staatsverschuldung um 9 Billionen Dollar – das ist mehr, als in den vergangenen 246 Jahren an neuen Schulden angehäuft wurde. - Gold: Ausbruch nach oben Frage der Zeit.
Von Uli Pfauntsch
Stan Druckenmiller ist einer der weltweit erfolgreichsten Trader. Sein Hedgefonds erzielte von 1986 bis 2010 jährliche Renditen von 30 Prozent. Noch bemerkenswerter ist, dass er kein einziges Verlustjahr dabei hatte. Druckenmiller, der seit 2010 seinen „Family Fund“ mit rund 1 Milliarde Dollar verwaltet, reduzierte seine Aktienquote im dritten Quartal 2015 um 41 Prozent. Im letzten November verriet der Star-Investor, dass er „unter der Annahme arbeitet, wonach der Aktienmarkt im Juli einen primären Bärenmarkt gestartet haben dürfte“.
Auf einer Investor-Konferenz in New York City nannte Druckenmiller zahlreiche Gründe, warum er für den Aktienmarkt bearish ist. Ein Grund sind die absurd hohen Bewertungen im US-Aktienmarkt. Die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 sinken seit drei Quartalen in Folge. Für das erste Quartal beläuft sich der Gewinnrückgang auf 6,4 Prozent – das ist das schlimmste Minus seit der Finanzkrise in 2008/2009. Die Umsätze der großen US-Unternehmen sinken sogar das fünfte Quartal in Folge.
Nichtsdestotrotz befinden sich die Aktien nahe den Rekordhochs. Druckenmiller bezeichnet die Abkopplung zwischen Unternehmensgewinnen und Aktienpreisen als „beispiellos in der Markthistorie“.
Der einzige verbliebene Käufer im US-Aktienmarkt
Druckenmiller macht sich ebenso Sorgen über die exzessive Verschuldung. US-Unternehmen haben sich seit 2008 mit mehr als 9,9 Billionen Dollar verschuldet. Im letzten Jahr nahmen die Unternehmen rekordhohe 1,5 Billionen Dollar neuer Schulden auf. Daran wäre nicht unbedingt etwas auszusetzen, wenn die Unternehmen in Expansion investieren würden. Etwa in Forschung + Entwicklung, neue Fabriken, Ausrüstung und Arbeitskräfte.
Doch in diesen Zeiten verschulden sich die Unternehmen vor allem, um eigene Aktien zurückzukaufen oder andere Unternehmen zu akquirieren. Werden eigene Aktien zurückgekauft, verteilt sich der Gewinn auf eine geringere Anzahl von Aktien. Häufig wird auf „dem Papier“ ein höherer Gewinn pro Aktie ausgewiesen, ohne dass sich das zugrunde liegende Geschäft verbessert hat.
Im letzten Jahr gaben US-Unternehmen 2 Billionen Dollar für Aktienrückkäufe und Übernahmen aus. Druckenmiller sagte, dass dieses „unproduktive unternehmerische Verhalten“ nun beginne, seinen Tribut zu fordern. Es kann nicht nachhaltig sein, wenn die operativen Einnahmen sinken und die Nettoverschuldung parallel dazu steigt.
Tatsächlich wurden aus US-Publikumsfonds und ETFs seit Jahresbeginn 225 Milliarden Dollar abgezogen. Der dominierende Käufer am US-Aktienmarkt waren die Unternehmen selbst. Mit geschätzten 450 Milliarden Dollar, die bislang in den Rückkauf eigener Aktien investiert wurden, konnten die Mittelabflüsse sämtlicher anderer Investorenklassen überkompensiert werden.
Während sich die auf Pump finanzierten Aktienrückkäufe weiter intensivieren, reduzieren andere Investoren das Risiko und verkaufen Aktien. Währenddessen verzeichnen Gold-ETFs starke Mittelzuflüsse. Allein letzte Woche flossen 1 Milliarde Dollar in den SPDR Gold Trust ETF (GLD) – das ist der stärkste Mittelzufluss seit November 2011. Auch Druckenmiller ist bullish für Gold.
300 Millionen Dollar in Gold
Im letzten Jahr kaufte Druckenmiller Gold im Wert von 300 Millionen Dollar in seinen Fonds – das entspricht rund einem Drittel seines Vermögens.
„Die Konferenz möchte einen klaren Rat von mir. Ich schätze, „geht raus aus dem Aktienmarkt“ ist nicht deutlich genug. Wir sehen Gold nicht als Metall, sondern als Währung. Und es bleibt unser größter Währungsanteil“, sagte Druckenmiller zu seinem Publikum in New York. Der Star-Investor beendete seinen Vortrag mit den Worten: „Die politischen Entscheidungsträger haben kein Endspiel, die Märkte schon“.
Die Fed im Heißluftballon
Die USA befinden sich in einer beispiellosen Schuldenblase. Letztes Jahr, erhöhte sich beispielsweise die Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten um 1,9 Billionen Dollar, während das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 599 Milliarden Dollar stieg. In den vergangenen acht Jahren wuchs die U.S. Staatsverschuldung um 9 Billionen Dollar – das ist mehr, als in den vergangenen 246 Jahren an neuen Schulden angehäuft wurde.
Inzwischen glauben einige Ökonomen, dass die Fed keine andere Wahl hat, als die Kreditblase weiter am Aufblasen zu halten. Denn das endlos billige Geld der Fed ermöglichte eine beispiellose Fehlallokation von Kapital, die unter normalen Umständen nie möglich gewesen wäre. Billionen von Dollar flossen in „Mal-Investments“, die früher oder später bereinigt werden müssen.
Es gibt eine einfache Möglichkeit herauszufinden, was „gute“ von „schlechten“ Investments unterscheidet. Nämlich die Zinsen (den Preis des Geldes) auf ein Normalniveau anzuheben. Ich glaube nicht, dass die Fed Interesse hat, das herauszufinden. Denn die Fed, die seit langem in einem Heißluftballon umhersteuert, bemerkt, dass dieser jedes Mal zu sinken beginnt, wenn nicht genügend heiße Luft nachgefüllt wird. Falls die Fed die heiße Luft herauslässt, indem sie die Zinsen erhöht, stürzt der Ballon zu Boden und crasht. Um die Fahrt möglichst lange zu „überleben“, wird die Fed dafür sorgen, dass genügend Luft im Ballon bleibt.
Gold: Ausbruch nach oben Frage der Zeit
Auch wenn in den Finanzmedien andere Gründe für den jüngsten Rücksetzer im Gold genannt werden, gibt es marktechnisch eine plausible Erklärung: Wie sich an den Daten der Comex zeigt, steht einer rekordhohen Long-Position der Spekulanten eine auffällig hohe Short-Position der Commercials gegenüber.
Neben den üblichen „Spielchen“ der Bullion-Banken, die traditionell hohe Short-Positionen im Gold fahren, trug auch die Wiederaufnahme des Hedgings maßgeblich zur Positionierung an der Comex bei. Bereits im ersten Quartal belief sich das Hedging der Goldproduzenten auf 79,6 Tonnen, weit mehr als im gesamten Jahr 2015 mit 28 Tonnen. Vieles deutet darauf hin, dass globale Goldproduzenten Preise zwischen 1.270 und 1.300 Dollar/Unze genutzt haben, um Teile ihrer künftigen Produktion zu verkaufen.
Entscheidend für das „Big Picture für Gold und andere Edelmetalle + Rohstoffe ist die Entwicklung des US-Dollars. Aufgrund der genannten Fakten, glaube ich an keine Zinserhöhung in den USA – weder im Juni, im September, noch im Dezember. Je stärker diese Erkenntnis am Markt durchdringt, desto mehr wird sich der Bullenmarkt im Gold intensivieren. Ich bin überzeugt, dass Gold spätestens bis zum Fed-Meeting am 16. + 17. Juni über die wichtige Marke von 1.300 Dollar ausbricht, um anschließend binnen kurzer Zeit 100 Dollar bis 150 Dollar/Unze draufzupacken.



