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Eine Zeitbombe namens Inflation

Die Notenbankpresse läuft heiß. Der Crash des Finanzsystems nimmt seinen Lauf. In der Vergangenheit endeten derartige Entwicklungen in Hyperinflation, Währungsreform mit Geldentwertung und leider auch in Krieg.

 

Von Rolf Ehlhardt

Es könnte ein Dialog aus „Star Trek“ sein: „In diese Galaxis sind wir noch nie vorgedrungen“. Es betrifft aber keinen Science-Fiction-Film, sondern das unkontrollierte Gelddrucken der Notenbanken weltweit. Aber aus Lebenserfahrung wissen wir, dass unkontrolliertes Handeln in der Auswirkung meist auch nicht kalkulierbar und schon gar nicht kontrollierbar ist.

 

Auch wenn wir eine solche Notenbankpolitik noch nie erlebt haben (früher wurde zu starke Liquiditätsausweitung  von der Deutschen Bundesbank erfolgreich bekämpft), ist sie gemäß meinem alten Volkswirtschaftslehrebuch die Basis für eine zukünftige Inflation (1. Bedingung).  Und zwar dann (2. Bedingung), wenn das Geld in Umlauf kommt.

 

Je größer die geschaffene Liquidität, je größer dann die Inflation. Diese Folgerung wurde in der Zeit vor Draghi auch als logisch und sachlich richtig befunden. Bis heute sind alle Versuche, einen Wirtschaftsaufschwung herbei zu drucken, kläglich gescheitert.

 

Die Folge: Sowohl die Fortsetzung als auch eine Umkehr der Notenbankpolitik beinhalten gravierende Systemrisiken. Der nun wegmanipulierte Zins galt immer als wichtigster Indikator für den Zustand der Wirtschaft und der Beurteilung von Bonität. Die EZB setzt diesen Seismograph nun außer Kraft. Das Bundesverfassungsgericht erteilt dieser EZB jetzt sogar einen Freibrief.

 

Dass die Inflationssteigerung in den offiziellen Zahlen nicht vorankommt, hat verschiedene Gründe: Zunächst ist der dämpfende, weil kräftige Verfall des Ölpreises zu nennen. Außerdem wird bei den Zahlen die gestiegene Geldmenge nicht berücksichtigt. Weiter liegt es daran, dass es bei Berechnung der Verbraucherpreise  Gestaltungsspielräume gibt.

 

So werden z.B. technische Fortschritte aus den Preisen der Güter (z.B. Autos, Computer, Fernseher) herausgerechnet. Ich kann zwar z.B. mit dem Fernseher mehr Programme empfangen, habe eine höhere Auflösung des Bildes, aber das Gerät kostet nicht mehr € 1.000,- sondern € 1.300,- . Während meinem Konto € 300,- mehr belastet werden, rechnet die Statistik diesen Betrag als technische Mehrleistung aus dem Preis heraus und verkündet, dass wir keine Preissteigerungen haben.

 

Bei ca. 3% Weltwirtschaftswachstum mag das Desinflation sein, aber das Schüren der Angst vor Deflation ist nur eine billige, weil irreführende Ausrede für die ungehemmte Gelddruckerei.

 

Klar wird uns die bereits vorhandene Inflation, wenn wir die reinen Lebenshaltungskosten vergleichen. Mein Lieblingsbeispiel ist die Butter von Landliebe. Das Produkt kaufte ich schon vor 10 Jahren, damals für € 1,19. Beim heutigen Einkauf zahle ich € 1,79. Rechnerisch ist dies eine 50% Steigerung und bedeutet in 10 Jahren eine Inflation von 5% p.a. (vereinfachte Rechnung). Ähnliches errechne ich bei Brötchen vom Bäcker, in der Pizzaria, beim Danone-Joghurt oder dem Kilo Fleisch vom Metzger meines Vertrauens.

 

Es gilt auch festzustellen, dass die frisch gedruckte Liquidität vorrangig und verbotenerweise der Finanzierung von über ihre Verhältnisse lebenden Staaten dient. Die Schaffung von Liquidität im Übermaß führte sogar dazu (böse Menschen nennen das Manipulation), dass die Zinsen heute nahe oder sogar unter Null rangieren.

 

Mit allen Nachteilen für alle Arten von Anlegern (Private, Banken, Versicherungen, Pensionskassen, Krankenkassen, Stiftungen usw.), dem Fehlleiten von Investitionen und dem Verschieben dringend notwendiger Reformen in allen Ländern. Außerdem ist dieses Zinsniveau ein Blattschuss für die risikolose Altersvorsorge.

 

Einen wahren Inflationsrausch, den wir aber als solchen nicht wahrnehmen, erfahren die Preise von Aktien, Immobilien, Kunstgegenständen und vor allem Anleihen. Wer sich den Langfrist-Chart der 10-jährigen Bundesanleihe anschaut, erkennt auch ohne fachliche Vorbildung, dass die Renditen zukünftig nur noch eine Richtung vor sich haben können.

 

Bei ansteigender Inflation werden sich die Zinsen nicht bei Null halten lassen, auch wenn die Notenbanken alles, und ich befürchte wirklich alles (z.B. Helikoptergeld), versuchen werden, den Renditeanstieg zu verhindern, bzw. zumindest stark abzuschwächen. Der Vertrauensverlust in diese Politik ist vorprogrammiert.

 

Aber die Lunte brennt. Der Brexit war eine erste schallende Ohrfeige an die Politik. Zudem scheint es, als ob die Kapitalmärkte beginnen, einen Teil der Liquidität in Richtung Rohstoffe und Edelmetalle umzuleiten.

 

Den höheren Rohstoffpreisen folgen höhere Erzeugerpreise, die sich dann in der Verteuerung der Warenpreise wiederfinden. Jetzt benötigt der Verbraucher auch höhere Löhne und schon haben wir eine Inflationsgestaltung aus dem Lehrbuch. Da sich die Waren permanent verteuern, wird kein Geld gespart sondern eiligst konsumiert.

 

Die Liquidität kommt in Umlauf. Die Umlaufgeschwindigkeit nimmt zu. Ein zinsseitiges Gegensteuern der EZB ist unmöglich. Viele Staaten würden eine Verteuerung der Finanzierung ihrer viel zu hohen Schuldenberge nicht überstehen.

 

Somit wird auch das Inflationsziel von 2% zur Illusion, weil nicht beherrschbar. Es wäre der Versuch einen freigelassenen Flaschengeist in die Flasche zurück zu drücken. Die Verantwortlichen wollen uns glauben machen, dass man auch ein wenig schwanger werden kann.

 

Der Crash des Finanzsystems nimmt seinen Lauf. In der Vergangenheit endeten derartige Entwicklungen in Hyperinflation, Währungsreform mit Geldentwertung und leider auch in Krieg.

 

Der Artikel soll auf mögliche, immer wahrscheinlicher werdende Folgen dieser Fehlentwicklung hinzuweisen. Es sollte niemand behaupten können, das hat mir nie jemand gesagt.

 

Alle Skifahrer wissen, was passiert, wenn man bei der Schussfahrt versucht zu wenden. Aber ohne Schmerzen wird sich keine Änderung des Systems mehr gestalten lassen. Und wehe dem, wir schiessen über die Piste hinaus. Dann droht der Absturz.

 

Sie erinnern sich noch, was vor kurzem an den Märkten passierte: Im Jahr 2000 Technologieblase, 2007 Immobilienblase in den USA, 2011 Rohstoffblase. Platzt jetzt  die Anleihenblase? Die nächste Blase dürfte dann bei den Edelmetallen entstehen. Denn die größte Überraschung 2017 könnte sein: Nicht zu kontrollierende Inflation.

www.i-c-m-mannheim.de

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