Focus: Sahra Wagenknecht zwischen Champagner und Weltrevolution. „Eine gerechte Gesellschaft heißt auch: jeder mal ins Sterne-Restaurant, wenn er Lust dazu hat.“
Im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“ skizziert die Fraktionsvorsitzende von „Die Linke“ Sahra Wagenknecht ihren Entwurf eines modernen Sozialismus. Dabei nimmt sie Abstand von alten linken Vorstellungen: „Planwirtschaft hat nicht funktioniert, Vollverstaatlichung ist kein sinnvoller Weg“, betont Wagenknecht, „was wir brauchen und was viele Leute, gerade junge Leute erwarten, ist doch der Entwurf eines originär neuen Wirtschaftsmodells, das die Missstände des Kapitalismus beseitigt.“
Zu ihren Forderungen gehören die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen, das Verbot spekulativer Finanzgeschäfte, die Beschränkung von Erbschaften auf maximale Werte von einer Million Euro pro Kind oder auch die Überführung von Aktiengesellschaften und GmbHs in Rechtsformen, die den Profit langfristig nicht Eigentümern, sondern den Mitarbeitern oder dem Gemeinwohl zuführen.
Ihr Programm habe nichts mit Konsumfeindschaft zu tun: „Ich bin ja nicht links, weil ich möchte, dass alle nur Wasser trinken, sondern ab und zu auch Champagner“, bekräftigt Wagenknecht. „Eine gerechte Gesellschaft heißt auch: jeder mal ins Sterne-Restaurant, wenn er Lust dazu hat.“
Doch diese utopischen Höhenflüge stehen in einem seltsamen Kontrast zu ihrer tagespolitischen Genügsamkeit. Auf die Frage, weshalb ihre Partei bei Umfragen vom schier grenzenlosen Zorn auf die Banken nach der Finanzkrise eigentlich nicht profitiere, sagt sie: „Neun bis zehn Prozent, das ist für uns nicht schlecht, es hat lange nicht so viele Wähler gegeben, links von der SPD.“



