Ablösung Wagenknechts nicht mehr ausgeschlossen. Große Teile der Linken fürchten, Wagenknecht rücke sie in die Nähe der AfD.
In der Linksfraktion des Bundestages wird eine Ablösung der Vorsitzenden Sahra Wagenknecht wegen des Streits über die Flüchtlingspolitik nicht mehr ausgeschlossen. Das berichtet die in Halle erscheinende „Mitteldeutsche Zeitung“ (Montag-Ausgabe) unter Berufung auf führende Fraktionskreise.
Bei der Fraktionsklausur am 29. und 30. August in Hannover solle über das Thema gesprochen werden, sagte ein führendes Fraktionsmitglied dem Blatt. „Wir müssen dort darüber reden. Daran führt kein Weg vorbei.“ Wagenknechts Sturz sei nicht geplant, fügte das Mitglied hinzu. „Ich halte es allerdings nicht für ausgeschlossen, dass der Streit so eskaliert, dass es gar nicht anders geht.“
An der linken Basis kursiert der Aufruf „Sahra, es reicht!“ Darin steht: „Wir arbeiten in Initiativen und Bündnissen gegen alte und neue Nazis, stellen uns sogenannten Asylkritikern in den Weg und nehmen in Kauf, dafür angefeindet und angegriffen zu werden. Die Äußerungen von Dir sind ein Schlag ins Gesicht von uns allen. Wir sind der festen Überzeugung, dass eine Linke, die rechts blinkt, nicht mehr auf dem richtigen Kurs ist.“
Den Aufruf haben bis zum Sonntag 117 Mitglieder unterschrieben, darunter der Bundestagsabgeordnete Harald Petzold. Zudem haben zahlreiche Fraktionsmitglieder ihrer Vorsitzenden nach den jüngsten Äußerungen persönlich ihren Unmut übermittelt.
Sie reagierte darauf den Kreisen zufolge ebenso „beeindruckt“ wie „trotzig“. Wagenknecht hatte nach dem von einem Flüchtling begangenen Selbstmordanschlag von Ansbach gesagt, „dass die Aufnahme und Integration einer großen Zahl von Flüchtlingen und Zuwanderern mit erheblichen Problemen verbunden und schwieriger ist, als Merkels leichtfertiges 'Wir schaffen das' uns im letzten Herbst einreden wollte".
Die Kanzlerin müsse dafür sorgen, dass „sich die Menschen in unserem Land wieder sicher fühlen können“. Wagenknecht äußerte sich sehr schnell und schärfer als die CSU, während alle anderen Parteien außer der rechtspopulistischen AfD die Ansicht vertraten, man dürfe so ein Ereignis nicht parteipolitisch ausschlachten und Flüchtlinge unter Generalverdacht stellen.
Wagenknecht wurde von den Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger ebenso kritisiert wie von ihrem Co-Vorsitzendem Dietmar Bartsch und dessen Vorgänger Gregor Gysi. Der außenpolitische Sprecher Jan van Aken forderte ihren Rücktritt. Große Teile der Linken fürchten, Wagenknecht rücke sie in die Nähe der AfD. Beklagt wird überdies, dass ihre jüngsten Äußerungen erfolgten, nachdem die Fraktion ihrer Vorsitzenden zweimal klar gemacht hatte, dass man ihren Kurs für falsch halte.



