Stärkerer Dollar und Fed-Zinserhöhungsspekulationen setzen Edelmetalle unter Druck. Silber fällt auf 7-Wochentief und zeigt gegenüber Gold relative Schwäche. Ölpreise starten mit Verlusten in die neue Handelswoche.
Von Commerzbank Commodity Research
Die Edelmetallpreise stehen wie der gesamte Rohstoffsektor zum Wochenauftakt unter Druck. Belastet werden sie offenbar durch den festen US-Dollar, steigende Anleiherenditen und deutlich gestiegene Zinserwartungen in den USA. Laut Fed Fund Futures liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed in diesem Jahr jetzt wieder bei über 60%.
Der Markt interpretiert offenbar eine gestrige Rede von Fed-Vize Stanley Fischer als „hawkish“. Gold fällt auf ein 2-Wochentief von gut 1.330 USD je Feinunze und handelt in Euro gerechnet nur noch bei rund 1.180 EUR je Feinunze, dem niedrigsten Stand seit dem Brexit-Referendum Ende Juni. Besonders auffällig ist die Preisschwäche von Silber.
Das überwiegend in der Industrie verwendete Edelmetall fällt heute Morgen um 2,5% auf 18,8 USD je Feinunze und damit auf ein 7-Wochentief, nachdem es am Freitag schon um über 2% nachgegeben hatte. Das Gold/Silber-Verhältnis ist daraufhin erstmals seit Ende Juni wieder über 70 gestiegen. Auch Platin und Palladium stehen unter Abgabedruck, halten sich aber noch knapp über den Marken von 1.100 USD bzw. 700 USD je Feinunze.
Die von Bloomberg erfassten Platin-ETFs verzeichneten am Freitag mit 26 Tsd. Unzen den höchsten Tagesabfluss seit fünf Wochen. Diesmal waren die Platin-ETFs des Fondsanbieters ETF Securities hierfür verantwortlich. Die Bestände der Platin-ETFs insgesamt wurden damit seit Jahresbeginn um 123 Tsd. Unzen abgebaut.
Energie:
Die Ölpreise starten mit Verlusten in die neue Handelswoche. Brent und WTI geben um jeweils 2% auf 50 USD bzw. 47,5 USD je Barrel nach. Am Freitag war Brent zwischenzeitlich auf ein 2-Monatshoch von 51,2 USD je Barrel gestiegen. Vom Tief zu Monatsbeginn bedeutete dies ein Plus von mehr als 20%. Der Preisrückgang im Juli wurde somit innerhalb von zwei Wochen vollständig wieder wettgemacht.
Nach einem solch fulminanten Anstieg ist ein Rücksetzer völlig normal. Wir sehen weiteres Korrekturpotenzial. Argumente dafür gibt es reichlich. So vermeldete der Öldienstleister Baker Hughes am Freitag nach Handelsschluss in den USA den achten Wochenanstieg der Bohraktivität in Folge.
Eine derartige Serie gab es zuletzt vor mehr als zwei Jahren, als die Ölpreise noch oberhalb von 100 USD notierten. Seit dem Tief Ende Mai ist die Zahl der aktiven Ölbohrungen in den USA um 90 gestiegen. Sie liegt damit auf einem 6-Monatshoch, was auf eine Stabilisierung der US-Schieferölproduktion hindeutet. Deren Rückgang war für die um 1 Mio. Barrel pro Tag gesunkene US-Rohölproduktion seit Mitte 2015 maßgeblich verantwortlich gewesen. Auch aus China kommen am Morgen preisbelastende Nachrichten.
Laut der dortigen Zollbehörde stiegen die chinesischen Netto-Exporte von Benzin und Diesel im Juli auf ein Rekordniveau von 2,5 Mio. Tonnen. Davon entfielen gut 1,5 Mio. Tonnen auf Diesel, was ebenfalls einem Rekordniveau entsprach. Bei Diesel haben sich die Ausfuhren im Jahresvergleich nahezu verdreifacht, bei Benzin mehr als verdoppelt. Damit trägt China zum Überangebot bei Ölprodukten bei.



