Schöne neue Börsenwelt: Notenbanken drucken Geld aus dem Nichts und kaufen dafür Aktien. Die schweizerische Nationalbank hat sich auf diese Weise schon stattliche Unternehmensbeteiligungen zugelegt: unter anderem an Apple.
Von Uli Pfauntsch
Stellen Sie sich vor, Sie drucken ihr eigenes Geld im Keller (oder schaffen sich dieses per Knopfdruck auf Ihrem Konto) und kaufen sich dafür bei einigen der größten Unternehmen der Welt ein.
Nach ein paar Jahren gehören Ihnen dann zum Beispiel Aktien von Apple im Gegenwert von 1,5 Milliarden USD, Sie halten eine gute Milliarde an Exxon, Microsoft, Johnson&Johnson, Coca Cola oder Facebook. So nach und nach kaufen Sie mit ihrem frisch gedruckten Geld die Elite der US-Aktiengesellschaften auf und profitieren an der Leistungsfähigkeit der amerikanischen Großkonzerne.
Sie kassieren auf Ihr selbst gedrucktes Geld satte Dividenden (Johnson&Jonson 2,7%, Microsoft 2,5%, Exxon 3,4%, Coca Cola 3,2%), was natürlich besser ist, als keinerlei Profit mehr aus negativ rentierlichen Anleihen.
Diese Vorstellung ist absurd? Klar, denn wenn Sie dies machen würden, wären Sie ein Wirtschaftsverbrecher historischer Güte! - Doch halt! Genau dies betreibt die Schweizer Notenbank (SNB).
Und die darf das. Ganz offiziell. Ganz legal. Niemand regt sich auf. Keiner wird inhaftiert.
Die Absurdität dieser Tatsache liegt nicht nur darin, dass das Geld, welches die SNB in Milliardenhöhe am US-Aktienmarkt investiert, nicht hart erarbeitet ist (wie Sie und wir dies üblicherweise tun müssen, bevor wir uns Aktien oder andere Assets wie Immobilien leisten können), sondern dass dies auch noch als „weitsichtige Geldpolitik“ verkauft wird.
Da die SNB ihre Bilanzsumme seit 2008 auf 640 Mrd. CHF (Stand Ende 2015) versechsfachte, ist eine Diversifizierung der Devisenanlagen in Höhe von 635 Mrd. CHF (Ende Juni 2016) nun „sinnvoll“. 120 Mrd. CHF davon, also circa 20% stecken nun in circa 6.700 Aktien weltweit. Im Gegensatz zu Japan, wo die Notenbank ausschließlich in heimische Aktien über ETFs investiert, investiert die Schweiz nicht in Schweizer Gesellschaften, um Interessenskonflikte zu vermeiden.
Wir stellen uns nun vor, diese Geldpolitik macht global Schule: Neben der Schweizer Notenbank kauft - wie oben bereits erwähnt - auch die Japanische Notenbank (BoJ) seit Jahren massiv ETF-Anteile. Allerdings sind diese Käufe nur auf japanische ETFs beschränkt, so dass Sie dort nur indirekt an den einheimischen Unternehmen beteiligt ist. Jedoch besitzt die BoJ zum Teil schon 60-70% der ETF-Volumina und ist damit indirekt bis zu 10% an Einzelaktien involviert. Berechnungen zufolge hält die BoJ schon 3% aller ausstehenden japanischen Aktien über ihre ETF-Anteile.
Stellen wir uns weiter vor, die FED würde anfangen, europäische Aktien zu kaufen und irgendwann gehört den Amerikanern beispielsweise ein Großteil der Deutschen Wirtschaft (auch jetzt schon halten US-Investoren einen Großteil der Deutschen Aktien; aber eben nicht die Notenbank). Gleichzeitig fangen auch die EZB, die Bank of England und weitere Notenbanken (Russland, China, Australien, Kanada etc.) an, mit frisch gedrucktem Geld Unternehmensanteile zu kaufen.
Die Folge: Nach wenigen Jahren würden substantielle Anteile der (liquiden) Weltkonzerne den Notenbanken gehören. Der Aktienmarkt wäre weitgehend „verstaatlicht“ und trockengelegt.
Ähnliches, was mit vielen Anleihen durch die massiven Gelddruckprogramme der Notenbanken passierte, nämlich, dass die Liquidität verloren ging, würde dann auch für Aktien gelten. Wenn dann noch Unternehmen mit massiven Aktienrückkäufen mit den Notenbanken um Aktien konkurrieren, sollte man als Privatanleger möglichst keine Aktien mehr von gesunden Global Playern aus der Hand geben. Es grenzte (dies sah man am Anleihemarkt) fast schon an Selbstmord, gegen die Helikopter-Geldwelle der Notenbanken zu wetten.
Im Gegenteil: das erklärte Ziel der Notenbanker scheint zu sein, Aktienkurse zum Steigen zu bringen. Und irgendwann gehört ihnen dann die ganze Welt…



