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VW-Abgas: Piech schießt gegen Winterkorn

Piech belastet Winterkorn in der VW-Abgasaffäre. VW-Präsentation aus dem Jahr 2007 kündigt Betrugssoftware in den USA an. VW-Techniker manipulierte 2013 Testfahrzeug bei der US-Umweltbehörde.

 

Der frühere VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech hat Martin Winterkorn, ehemaliger VW-Vorstandschef, in der Abgasaffäre belastet. Laut einem Bericht von BILD am Sonntag wurde Piech von Anwälten der US-Kanzlei Jones Day in seinem Haus in Salzburg befragt. Bei der Anhörung sagte Piech, er habe Winterkorn nach dem Genfer Auto-Salon im März 2015 konkret auf die Ermittlungen der US-Umweltbehörden wegen überhöhter VW-Abgaswerte angesprochen.

 

Am Rande einer Gremiumssitzung habe ihn Winterkorn aber regelrecht abblitzen lassen. Er habe die sache im Griff, hätte Winterkorn entgegnet. Bisher hatte Winterkorn stets behauptet, er habe erst am 18. September 2015 vom Ausmaß der Affäre erfahren. Auf BamS-Anfrage äußerte sich Winterkorn wegen laufender Ermittlungen nicht. VW-Kreise bestätigten jedoch, dass Winterkorn sich mit Piech im Frühjahr 2015 über die Dieselproblematik „ausgetauscht“ habe. Eine Betrugssoftware sei dabei aber nicht angesprochen worden. Piech war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.


Belastet wird der frühere VW-Vorstand durch ein Dokument vom November 2007, das US-Ermittlern vorliegt. Die Präsentation mit dem Titel „US07“ der VW-Aggregateentwicklung benennt zwei Monate vor dem Produktionsstart in den USA große Probleme mit den Dieselabgasen. Um den hohen Schadstoffausstoß zu senken, müsse der Motor für rund 268 Euro pro Fahrzeug nachgerüstet werden. Falls der gewünschte Effekt nicht eintretet kündigten die Experten ein „Robustheitspaket“ zur „Fahrzyklenerkennung“ an.

 

Dahinter verbirgt sich eine Betrugssoftware, die erkennt, ob das Auto gerade auf der Straße fährt ein Abgastest läuft. Nach Ansicht von US-Ermittlern habe der Vorstand zunächst die legale Nachrüstung beschlossen, die einen zweistelligen Millionenbetrag kostete.  Da die erhoffte Wirkung ausblieb, habe VW sich danach für die illegale Software entschieden. Diese wurde nach BamS-Informationen sogar mehrmals überarbeitet, um den Betrug besser zu verschleiern und die Abgasreinigung noch weiter einzuschränken.


Im Sommer 2013 hatte die US-Umweltbehörde EPA Verdacht geschöpft. Ein VW Beetle war bei Abgastests durch extrem hohe Schadstoffwerte aufgefallen, weil die Betrugssoftware versagt hatte. Wie aus Zeugenaussagen bei den US-Behörden hervorgeht, manipulierte daraufhin ein VW-Techniker den Wiederholungstest. Dazu mischte der amerikanische Sotwareexperte James L. Benzin in den Dieseltank und machte die Testergebnisse damit unbrauchbar.

 

Anschließend stellte VW der US-Umweltbehörde einen VW Jetta Kombi als Ersatzfahrzeug zur Verfügung. Laut Ermittlungen hatten die Wolfsburger das Auto mit einer verbesserten Schummelsoftware ausgestattet, sodass der Betrug weitere zwei Jahre unentdeckt blieb.

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