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Finanzmärkte: Akteure vor Kontrollverlust

Ex-Bundesbank Vorstand Axel Weber diagnostiziert nichts Geringeres als einen Kontrollverlust: "Die Akteure an den Finanzmärkten haben den Überblick über das gesamte Geschehen verloren.“

 

Von Uli Pfauntsch

Größte Marktmanipulation aller Zeiten - Ausgang ungewiss

Dass an den Märkten seit Beginn der finanziellen Repression, also seit Start des globalen Gelddruckens und der künstlichen Null– und Negativzinsen, sämtliche kapitalistischen Grundregeln ausgehebelt werden, wird immer deutlicher.
 Wenn für Kredit (Geld) kein Zins (Preis) mehr verlangt wird, dann ist dieser auch nichts wert.

Lediglich überschuldete Staaten werden „gerettet“ bzw. künstlich beatmet. Treffender wäre der Begriff Insolvenzverschleppung auf Kosten der Sparer. So kommt es, dass inzwischen weltweit der Gegenwert von 13 Billionen USD an normalerweise weitgehend wertlosen Staatsanleihen auf Rekordhoch notiert und negative „Erträge abwirft“. Aktien (Dividendenerträge) werden zu neuen Anleihen (da fehlender Zins). Dass dies auf Dauer nicht gut gehen kann, ist kein Geheimnis.


Die Notenbanken werden, um diese größte Marktmanipulation aller Zeiten aufrecht erhalten zu können, zu immer drastischeren Maßnahmen greifen müssen. Der verzweifelte Versuch der FED in den letzten Wochen und Monaten, die US-Zinsen auf ein normales Niveau zu erhöhen, sowie das damit einhergehende Austesten des Marktes durch verschiedene Aussagen ihrer Mitglieder, sagt vieles über die Hilflosigkeit der Notenbanken aus. Man wird den Teufel, den man rief, nicht mehr so schnell los.


Ausgang des Experimentes? Völlig ungewiss!

Was kann man als Anleger tun? So banal es klingt: Es gilt auch in Zeiten dieser größten finanziellen Repression der Geschichte eine uralte banale Weisheit: Nicht alle Eier in einen Korb! Sachwerte sind Geldwerten weiter klar vorzuziehen. Immobilien, Aktien und Gold (Silber) sollten den Hauptbestandteil der Vermögensbildung ausmachen.

 

Wer sich auskennt und Bezug dazu hat, der kann auch in Kunst, Oldtimer, seltene Sportwagen, Weine oder Whiskys (oder was auch immer ein nicht beliebig reproduzierbares Gut mit einem Markt darstellt) investieren. Diese Sachwerte werden sehr wahrscheinlich auch noch existieren und einen Markt bieten, wenn sich Papiergeldwährungen in Zukunft sukzessive abgewertet oder gar in Luft aufgelöst haben. Einen Teil sollte man (kurzfristig) trotzdem in Cash halten, um bei crashartigen Einbrüchen am Aktienmarkt handlungsfähig zu sein und beim Sachwert Aktie auf Schnäppchenjagd gehen zu können.


Effiziente Kapitalmärkte gehören bereits der Geschichte an

Das gestrige Handelsblatt ist uneingeschränkt wegen des Interviews mit unserem ehemaligen Bundesbankvorstand Axel Weber zu empfehlen. Wir zitieren aus dem Morning Briefing:


"Wer sich den Kinderglauben an die Funktionstüchtigkeit der Finanzmärkte bewahren möchte, sollte auf die Lektüre des heutigen Handelsblatts verzichten. Der frühere Bundesbank-Präsident und heutige Verwaltungsratschef der UBS Axel Weber diagnostiziert nichts Geringeres als einen Kontrollverlust: Die Akteure an den Finanzmärkten haben den Überblick über das gesamte Geschehen verloren.“

Die Geldpolitik sei zum Reparaturbetrieb des Staates und der Finanzmärkte verkommen. Die Aktienmärkte würden von den Entscheidungen der Notenbanken abhängen: 
„Heute sind die Kapitalmärkte stärker ein Spiegelbild der Geldpolitik, während sie früher mehr ein Spiegelbild der Realwirtschaft waren.“ Wer dieses Interview gelesen hat, kann hinterher nicht mehr behaupten, er habe von nichts gewusst.


Axel Weber trifft den Nagel auf den Kopf und man kann seinen Aussagen nur zustimmen.


Auch wir investieren nicht mehr nur nach realwirtschaftlichen Gegebenheiten, sondern achten vor allem auf die Geldpolitik der Notenbanken. Diese zwingt durch ihre Nullzinspolitik geradezu viele Marktteilnehmer in den Aktienmarkt, die dort eigentlich nichts verloren haben. Sie führt dazu, dass Unternehmen lieber Aktien in großem Stiel zurückkaufen, als zum Beispiel zu investieren.

Dies führt wiederum zu einer höheren Crashgefahr, die dann erneut zu weiteren Interventionen der Notenbanken führt. Wie in den letzten Ausgaben beschrieben, führt dies langfristig dazu, dass die Kapitalmärkte sukzessive verstaatlicht werden.


Wer soll noch einen fairen Preis für eine Aktie oder Anleihe bestimmen, wenn es den “freien Markt” nicht mehr gibt?


Wenn nicht nur weite Teile der Staatsanleihen in den Händen der Notenbanken liegen, sondern auch immer mehr Aktien von diesen aufgekauft werden (siehe Beitrag hier), dann sind freie, “effiziente” Kapitalmärkte tatsächlich bereits Geschichte!

www.sicheres-vermoegen.de

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